Es ist noch nicht lange her, dass die CRISPR-Genbearbeitung bei Investoren einen Hype auslöste. Die Technologie, die Bakterienenzyme nutzt, um DNA-Sequenzen herauszuschneiden, wurde als die größte biotechnologische Entdeckung des 21. Jahrhunderts gehandelt.

Zwar ist der Hype mittlerweile stark zurückgegangen, aber auf CRISPR basierende Therapien sind bei der Behandlung von Krankheiten weiter fortgeschritten. Editas Medicine (WKN:A2AC4K) ist nach Marktkapitalisierung das zweitgrößte Biotechnologieunternehmen, das sich hauptsächlich auf CRISPR-Genbearbeitung konzentriert. Ist Editas eine Aktie, die langfristige Investoren jetzt kaufen sollten?

Eine lange Negativliste

Du musst nicht lange suchen, um Gründe zu finden, die Finger von Editas Medicine zu lassen. Das Unternehmen ist weit entfernt davon, Gewinn zu erzielen. Editas verlor im ersten Quartal 2019 29 Millionen US-Dollar. Der Gesamtverlust seit Gründung 2013 beläuft sich auf 445 Millionen US-Dollar.

Trotz dieser schaurigen Zahlen beträgt die Marktkapitalisierung von Editas 1,2 Milliarden US-Dollar. Du denkst, dies drücke den Optimismus der Investoren aus, dass das Unternehmen kurz davorsteht, in naher Zukunft viel Geld zu verdienen? Falsch gedacht.

Editas Hauptkandidat EDIT-101 kommt in der zweiten Jahreshälfte 2019 in die Phase 1 der klinischen Tests. Wie stehen die Chancen, dass ein Mittel, das sich in der ersten Phase einer klinischen Studie befindet, durch die Food and Drug Administration (FDA) zugelassen wird? Weniger als 1 zu 10, wenn man die historischen Daten anschaut.

EDIT-101 zielt auf die Behandlung von Leberscher Kongenitaler Amaurose Typ 10 (LCA10), dem Hauptgrund von Blindheit. Aber Editas ist nicht das einzige Biotechnologieunternehmen, das an einer Behandlung von LCA10 forscht. ProQR Therapeutics liegt gegenwärtig vor Editas. ProQR evaluiert momentan eine experimentelle RNA-basierte LCA10-Therapie namens Sepofarsen in der zweiten bis dritten Phase der klinischen Studien.

Neben den Herausforderungen, die die Konkurrenz mit sich bringt, sieht sich Editas auch internen Schwierigkeiten gegenüber. In der Führungsriege gibt es zahlreiche Wechsel. Im Dezember 2018 überraschte der damalige CFO Andrew Hack die Aktionäre, als er ankündigte, wieder in die Investmentbranche zu wechseln. Nur einen Monat später trat Katrine Bosley unerwartet als CEO zurück. Die Aktie crashte daraufhin.

Aber auch viel Potenzial

Warum sollte jemand bei all den negativen Punkten in Erwägung ziehen, Editas Medicines Aktie zu kaufen? Weil das Biotechnologieunternehmen ein enormes Potenzial hat.

Es ist meist ein gutes Zeichen, wenn ein Medikamentenhersteller viel Geld ausgibt, um sich mit einem kleinen Biotechnologieunternehmen zusammenzutun. Und genau das hat bei Editas 2017 stattgefunden. Damals zahlte Allergan (WKN: A14U12) 90 Millionen US-Dollar im Voraus für die Option, fünf Augenerkrankungsprogramme von Editas zu lizenzieren. Allergan nutzte diese Option letztes Jahr, um EDIT-101 für die Behandlung von LCA10 weiterzuentwickeln. Dadurch erhielt Editas weitere 15 Millionen US-Dollar.

Obwohl Editas noch einen langen Weg vor sich hat, sollte das Biotechnologieunternehmen bald Schlagzeilen machen. Grund ist der erste In-vivo(im Körper)-Test von CRISPR an einem Menschen. Aufgrund der Ergebnisse in vorklinischen Tests gibt es Grund für vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der Aussichten für EDIT-101 bei der Behandlung von Menschen, die an LCA10 leiden.

Wenn EDIT-101 in den klinischen Studien erfolgreich ist, sollte Editas einen wichtigen Vorteil gegenüber ProQRs LCA10-Therapie haben. Voraussetzung ist natürlich auch, dass es die Zulassung erhält. Sepofarsen muss Patienten dauerhaft verabreicht werden. Aber EDIT-101 ermöglicht eine einmalige Behandlung.

Edita hat zudem Pläne, andere CRISPR-Therapien zu entwickeln. Das Unternehmen erwartet, dass es bis Ende 2019 einen neuen Lead-Kandidaten für die Behandlung des Usher Syndroms Typ 2a hat, einer anderen genetisch bedingten Augenkrankheit. Danach soll es in klinischen Tests an Menschen getestet werden. Editas ist außerdem kurz davor, einen Kandidaten zu wählen, der mithilfe von CRISPR-Genbearbeitung seltene Bluterkrankungen wie die Sichelzellenanämie und Beta Thalassämie behandeln soll.

Editas hat einen anderen großen Partner: Celgene. Der Biotechriese arbeitet mit Editas zusammen, um mit CRISPR T-Zellen zur Behandlung von Krebs zu modifizieren.

Editas hat im Bereich CRISPR das stärkste Portfolio an geistigem Eigentum der Welt. 2014 lizenzierte das Biotech-Unternehmen CRISPR-Cas9 exklusiv, das vom Broad Institute und der Harvard University entwickelt wurde. Es ist möglich, dass andere Unternehmen Editas bezahlen müssen, wenn sie CRISPR für Therapien entwickeln und vertreiben wollen, die auf gleiche Indikationen abzielen wie die Mittel von Editas.

Kaufen oder nicht kaufen?

Ist Editas Aktie im Moment eine Kaufgelegenheit? Die Antwort lautet für die meisten Investoren eher Nein. Es gibt viele Risiken bei Editas, sodass die Aktie sehr spekulativ ist.

Ich persönliche besitze Aktien von Editas. Mein Investitionsstil ist aggressiv und mir macht es nichts aus, ein paar spekulative Aktien in meinem Portfolio zu haben. Für Investoren, die die gleiche Einstellung haben und keine Angst vor hochriskanten, aber potenziell lohnenden Gelegenheiten, ist Editas Medicine eine Aktie, die sie in Betracht ziehen sollten.

Keith Speights hält Aktien von Celgene und Editas Medicine. The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Celgene und Editas Medicine.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 07.07.2019 auf fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Keith Speights, Motley Fool beitragender Investmentanalyst