WASHINGTON (dpa-AFX) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird seine globale Konjunkturprognose für dieses und nächstes Jahr trotz der Corona-Pandemie anheben. Im Januar sei für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent prognostiziert worden, nun sei mit einer "weiteren Beschleunigung" zu rechnen, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Dienstag. Die Wirtschaft in vielen Industriestaaten werde sich dank der Impfkampagnen in diesem Jahr erholen, zudem habe es unter anderem in den USA weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur gegeben, sagte Georgiewa. Die neue Prognose soll am Dienstag veröffentlicht werden.

Georgiewa warnte in dem vorab verbreiteten Redetext, dass sich eine Erholung in zwei Geschwindigkeiten abzeichne: Auf der einen Seite die zwei größten Volkswirtschaften, die USA und China, die die Krise noch in diesem Jahr hinter sich lassen dürften, und auf der anderen Seite die schwer von der der Corona-Krise erschütterten ärmeren Länder. In Schwellen- und Entwicklungsländern werde das Pro-Kopf-Einkommen bis nächstes Jahr um ein Fünftel niedriger sein, warnte Georgiewa. "Dieser Einkommensverlust bedeutet, dass Millionen Menschen Armut, Obdachlosigkeit und Hunger erfahren werden", sagte sie.

Die Regierungen ärmerer Länder haben einen geringeren finanziellen Spielraum, um sich gegen die Folgen der Corona-Krise zu stemmen. Georgiewa mahnte, für eine nachhaltige globale Erholung müssten alle Länder Zugang zu Corona-Impfstoffen haben. "Der Zeitpunkt, zu handeln, vergeht schnell. Je länger es dauert, die Produktion von Impfstoffen und deren Verteilung zu beschleunigen, desto schwieriger wird es, die Erfolge zu realisieren", sagte Georgiewa.

Die IWF-Chefin warnte zudem, dass die rasche wirtschaftliche Erholung in den USA zu einem "schnellen" Anstieg der Leitzinsen führen könnte. Das wiederum würde zum Abzug von Kapital aus Entwicklungs- und Schwellenländern führen und diese zusätzlich schwächen, sagte sie. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) rechnet allerdings bis auf Weiteres noch nicht mit einer Erhöhung des Leitzinses./jbz/DP/fba