HALLE (dpa-AFX) - In Deutschland sind einer Studie zufolge deutlich mehr Beschäftigte von Unternehmensinsolvenzen betroffen, obwohl die Zahl der Pleiten weiter gesunken ist. Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Insolvenztrend des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) hervorgeht, waren im Juli drei Mal so viele Jobs von den gemeldeten Zahlungsschwierigkeiten betroffen als im Schnitt der ersten drei Monate dieses Jahres. Laut IWH-Forschern liegt das an der steigenden Zahl von Großinsolvenzen.

Zeitgleich sank die Zahl der angemeldeten Insolvenzen im Vergleich zum Juni um 3 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 11 Prozent. Diese Entwicklungen sind laut der Studie jedoch wenig aussagekräftig. Um eine Pleitewelle durch die negativen Folgen der Corona-Pandemie zu verhindern, hat die Bundesregierung die strengen Regeln zur Anmeldung einer drohenden Zahlungsunfähigkeit bis Ende September deutlich gelockert.

IWH-Experte Steffen Müller geht davon aus, dass die gemeldeten Insolvenzen nach der Rückkehr zu den alten Regelungen wieder steigen. In der Zwischenzeit müsse man die Zahl der betroffenen Jobs im Auge behalten. Das Forschungsinstitut wertet zu diesem Zweck die Zahl der Beschäftigten der 10 Prozent der größten Unternehmen aus, die einen Insolvenzantrag gestellt haben. Im Juli waren das laut Mitteilung 23 600. Zwischen Januar und März lag der Wert hingegen bei jeweils rund 6700 betroffenen Beschäftigten. Damit habe sich die Zahl verdreifacht. Im Vergleich zum Juni waren 76 Prozent mehr Jobs von Unternehmensinsolvenzen betroffen./hnl/DP/fba