Sowohl Behörden als auch Experten haben festgestellt, dass vermehrt Personen, die mit dem Johnson & Johnson-Vakzin geimpft wurden, dennoch an Covid erkranken. 

Johnson & Johnson: Offenbar erhöhte Quote an Impfdurchbrüchen

Obwohl es sich um Ausnahmefälle handelt, wenn Geimpfte sich mit dem Corona-Virus infizieren, kann dies dennoch passieren. Experten sprechen dann von Impfdurchbrüchen. Laut dem neuesten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts wurden bisher 39.228 mögliche Impfdurchbrüche identifiziert – am häufigsten nach der Impfung mit dem Johnson & Johnson-Vakzin (6.106 Menschen). 

Laut RKI wurden bisher 3 Millionen Menschen mit dem Impfstoff von J&J geimpft. Auf eine Million geimpfte Menschen kommen schätzungsweise 2.000 Impfdurchbrüche. Nicht mit einberechnet wurde hierbei allerdings, ob die zwei Wochen für den vollen Impfschutz schon vergangen sind und ob diese Impfung schon länger zurückliegt. 

Der J&J-Impfstoff ist der bisher einzige in der EU zugelassene Corona-Impfstoff, für den laut EMA nur eine Dosis notwendig ist. Dementsprechend wurde er vermehrt bei Menschen eingesetzt, die Schwierigkeiten beim Zugang zur zweiten Impfung haben, wie beispielsweise Wohnungslose. Allgemein empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) diesen Impfstoff nur Personen über 60 Jahren.

Mögliche Gründe für die vergleichsweise Hohe Anzahl an Impfdurchbrüchen

Laut Stiko-Mitglied Christian Bogdan würde die hohe Anzahl an Impfdurchbrüchen bei Johnson & Johnson aus drei Gründen rühren: 

  1. dem eben beschriebenen Ein-Dosis-Impfschema
  2. da die Ü60-Jährigen eine vergleichsweise geringere und kürzere Immunantwort entwickeln
  3. aufgrund der hochansteckenden Delta-Variante

Angesichts der aufkeimenden Debatte darüber, ob eine zweite Dosis des Impfstoffs empfohlen werden sollte, erklärte Bogdan, dass das Unternehmen derzeit einen Impfplan mit zwei Dosen prüfe. Ergebnisse seien jedoch noch nicht verfügbar.

Der Immunologe Watzl betont jedoch, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson eine schwere Corona-Erkrankung verhindern kann. Eine Sprecherin des Pharmariesen Johnson & Johnson vermerkte, es gebe derzeit keinen Coronavirus-Impfstoff, der eine Infektion zu 100 % verhindern könne. „Unser zugelassener Covid-19-Impfstoff als Einmaldosis kann jedoch nachweislich dazu beitragen, das Infektionsrisiko zu verringern und schwere Verläufe zu vermeiden“, macht auch sie deutlich. Für die Einzeldosis-Impfung zeigen die Daten eine starke und lang anhaltende Wirkung in den bisher gemessenen acht Monaten – auch gegen die Delta- und andere Virusvarianten.

Laut Watzl hat der Bundesgesundheitsminister zudem eine Empfehlung ausgesprochen, dass alle Personen, die den Johnson & Johnson– (und AstraZeneca-) Impfstoff erhalten haben, ein halbes Jahr später mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden sollen. „Immunologisch macht das absolut Sinn, da wir bereits wissen, dass so eine Kreuzimpfung wunderbar funktioniert und einen sehr guten Schutz gibt“, so Watzl. 

Offiziell vorgesehen sind diese Auffrischimpfungen jedoch noch nicht. Eine EMA-Sprecherin teilte diesbezüglich mit: Bevor eine Kreuzimpfung empfohlen wird, müssen relevante Daten ausgewertet werden. Es wird jedoch erwartet, dass dieses als heterolog bezeichnete Impfschema auch für den Impfstoff von Johnson & Johnson gilt.

Der Aktienkurs von Johnson & Johnson fiel im Handel zuletzt um 0,48 Prozent auf 139,83 Euro.

/sf