TOKIO (dpa-AFX) - Die Olympischen Spiele in Tokio sind für Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga zum politischen Drahtseilakt geworden. Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge fiel die Zustimmung für Sugas Kabinett auf 35,9 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr. Eine Rekordzahl von 49,8 Prozent lehnen seine konservative Regierung ab. Dies zeige die Unzufriedenheit im Volk darüber, dass Suga trotz der andauernden Corona-Pandemie die Spiele durchziehe. Am Sonntag meldete Tokio 1008 Neuinfektionen und damit am fünften Tag in Serie mehr als 1000. Wenige Tage vor Beginn der Spiele herrscht in Japan die Sorge vor einer nunmehr fünften Corona-Welle.

Suga, dessen Amtszeit als Partei- und damit Regierungschef am 30. September endet, muss spätestens am 21. Oktober Unterhauswahlen ansetzen. Er hofft laut politischen Beobachtern, dass die Olympischen Spiele trotz der Pandemie erfolgreich verlaufen und sich die Stimmung im Volk doch noch dreht. Dies könnte ihm Rückenwind für die Wahl zum LDP-Parteichef und die anstehenden Wahlen zum Parlament verschaffen./ln/DP/he