Spekulativ aber spannend: Die Pharma-Branche weckt immer wieder steile Börsenfantasien. Wir schauen auf drei Medikamentenhersteller, die in offensiveren Depots starke Renditechancen eröffnen können.

Die Pandemie hat eine Branche ins Scheinwerferlicht gerückt, die bis dahin spekulativen Venture-Capital-Gebern, vermögenden Family Offices oder sehr risikofreudigen privaten Renditejägern vorbehalten war: Die rasante Entwicklung von Corona-Impfstoffen hat das Potenzial von Biotech-Firmen in der allgemeinen Wahrnehmung geradezu befeuert. „Biotechnologie steht am Beginn einer Boom-Phase“, formuliert es etwa die Unternehmensberatung Ernst & Young in der Publikation „Deutscher Biotechnologie-Report“ aus dem vergangenen April.

Der Kapitalmarkt in diesem Sektor ist den Autoren zufolge im „Rekordmodus“. Demnach waren die Kapitalerhöhungen im Jahr 2018 mit 858 Millionen Euro schon einmal im Höhenflug. Damalige Treiber waren dem Report zufolge QIAGEN und MorphoSys. Im Jahr darauf dann der Einbruch: Das Finanzierungsniveau sank auf 232 Millionen Euro ab.

Im ersten Corona-Jahr 2020 dann wieder eine absolute Höchstmarke: „Im Jahr 2020 sehen wir eine Rekordkapitalaufnahme durch Folgefinanzierungen und Wandelanleihen von über 1,72 Milliarden Euro. Dies entspricht bei 23 Ereignissen einem durchschnittlichen Volumen von stattlichen 75 Millionen Euro pro Unternehmen“, heißt es von Ernst & Young. Die höchsten Folgefinanzierungen im Jahr 2020 entfielen laut dem Bericht auf BioNTech mit 669 Millionen Euro, MorphoSys mit 457 Millionen Euro und Evotec mit 250 Millionen Euro.

Pharmawerte: Renditechancen mit Nervenkitzel

Dieser kurze Rückblick auf die vergangenen drei Jahre macht zugleich die enormen Marktschwankungen im Biotech-Sektor deutlich. Anleger, die entsprechende Werte kaufen, sollten daher mit hohen Volatilitäten zurechtkommen und auf eine sinnvolle Diversifikation im Depot achten. Denn wie etwa der Tübinger Impfstoffhersteller CureVac gezeigt hat, können Börsenfantasien schnell zerplatzen, wenn sich die Produkte nicht bewähren.

Auch bei neuen Medikamenten ist grundsätzlich Vorsicht angebracht: Zwar treiben entsprechende Zulassungen die Aktienkurse, kann sich das Mittel im Praxistest aber nicht durchsetzen oder werden zu viele Nebenwirkungen bekannt, kann der Höhenrausch auch wieder schnell zu Ende sein.

Wer sich dieser Risiken bewusst ist und gezielte Renditekicks sucht, wird in der Pharmabranche aber immer wieder fündig. Wir stellen Ihnen beispielhaft drei Hoffnungsträger vor, die medizinischen Nutzen und Aktionärseuphorie gleichermaßen versprechen.

Novo Nordisk: Diabetes-Spezialist startet mit Abnehm-Medikament durch

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ist führend in der Behandlung von Diabetes mellitus. Die umgangssprachlich als Zuckerkrankheit bezeichnete Insulinstoffwechselstörung gilt als einer der großen Volkskrankheiten. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rund 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren an Diabetes erkrankt, rund 90 bis 95 Prozent davon entfallen auf den Typ 2, der mit fortschreitendem Lebensalter und beispielsweise bei Übergewicht schleichend einsetzen kann.

Nun ist Diabetes keine neue Krankheit und forschende Pharmafirmen bewegen sich in einem eher wettbewerbsgetriebenen Umfeld – der 1923 gegründete Medikamentenhersteller Novo Nordisk hat hingegen einige Medikamente im Portfolio, die den Aktienkurs auf hohem Niveau halten. Beispiel Ozempic: Das Medikament mit dem Wirkstoff Semaglutid wurde 2018 in Deutschland auf den Markt gebracht und ist zur Behandlung von Patienten mit Diabetes-Typ-2 zugelassen. Das Mittel fördert über die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse die Freisetzung von Insulin, verlangsamt die Magenentleerung und – hier kommt ein neues Indikationsgebiet ins Spiel – hemmt den Appetit.

Die Pharmazeutische Zeitung etwa berichtete bereits im Februar dieses Jahres von einer internationalen Studie, wonach „der GLP-1-Agonist Semaglutid auch zum Abnehmen taugt“. Die Untersuchung mit 1961 deutlich übergewichtigen Erwachsenen zeige, dass die Teilnehmer, die mit dem Medikament behandelt wurden, im Median 14,9 Prozent Gewicht verloren hätten – in der Placebo-Gruppe sei eine Gewichtsreduktion um 2,4 Prozent verzeichnet worden. „Im Schnitt waren das 15,3 Kilogramm (2,6 Kilogramm unter Placebo). Unter Semaglutid schaffte es bis zum Ende der Studie mehr als ein Drittel der Probanden, mehr als ein Fünftel ihres Ausgangsgewichts, also mehr als 20 Prozent Körpergewicht, zu verlieren“, heißt es in dem Fachblatt.

Diese Ergebnisse haben in der Zwischenzeit auch die US-Arzneimittelbehörde FDA überzeugt: Im Juni erfolgte laut einem aktuellen Bericht ebenfalls in der Pharmazeutischen Zeitung die Zulassung des unter dem Handelsnamen erhältlichen Medikaments Wegovy, welches für die Behandlung von Adipositas zum chronischen Gewichtsmanagement in Kombination mit Diät und Bewegung eingesetzt werden darf.

Auch der Europäischen Arzneimittelagentur EMA liege der Antrag zur Indikationserweiterung des ursprünglichen Diabetesmedikaments vor. Für Anleger könnte diese Meldung ein weiterer Grund sein, sich den Wert Novo Nordisk genauer anzusehen – Diabetes und Übergewicht sind stark verbreitet und der Markt entsprechend groß. Die Aktie ist zwar längst kein Schnäppchen mehr, befindet sich aber in Bestform und könnte aufgrund der soliden Unternehmensaufstellung ein interessanter Einstieg in die Welt der Pharma-Aktien sein.

Pfizer: BioNTech-Imfpstoff und Covid-Medikament treiben Aktienkurs

Im Kampf gegen die Pandemie wurden und werden auch immer wieder Medikamente erprobt, die Covid-Patienten vor schweren Krankheitsverläufen schützen sollen. Ein Beispiel hierfür ist das Mittel Xeljanz vom Hersteller Pfizer Pharma. Das Medikament basiert auf dem Wirkstoff Tofacitinib, der ursprünglich für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen wurde.

Wie etwa das Ärzteblatt unter Berufung auf eine in Brasilien durchgeführte Studie im Juni dieses Jahres berichtet, kann Tofacitinib allerdings auch die Prognose von hospitalisierten Covid-Patienten verbessern: „Die Teilnehmer wurden auf eine Behandlung mit Tofacitinib oder Placebo randomisiert. Der primäre Endpunkt war das Auftreten von Tod oder Atemversagen bis zum 28. Tag. Er wurde in der Tofacitinibgruppe von 18,1 Prozent der Patienten erreicht gegenüber 29,0 Prozent der Patienten in der Placebogruppe“, heißt es in dem Fachartikel.

Die Sterblichkeit könnte nach diesen Daten also deutlich reduziert werden. Denn Tofacitinib ist offenbar in der Lage, den gefürchteten Zytokinsturm im Zuge einer Covid-Erkrankung – also das Überschießen des Immunsystems – zu unterbinden. Damit könnte das Pfizer-Medikament neben der mittlerweile bewährten Gabe von Cortison einen zusätzlichen Schutz vor schweren oder tödlichen Corona-Verläufen bieten.

Diese Nachricht und auch die Diskussion, wonach eine Drittimpfung mit dem Vakzin des Pfizer-Partners BioNTech für bestimmte Bevölkerungsgruppen wahrscheinlicher wird sowie die Meldung, dass aus der bisherigen Notfallzulassung in einem beschleunigten Verfahren der US-Gesundheitsbehörde FDA schon im Januar 2022 eine reguläre Zulassung des Impfstoffs werden könnte, haben den Aktienkurs des Pharmariesen nochmals deutlich angetrieben. Pfizer gilt mit einem Umsatz von 41,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 weiterhin als einer der größten Pharmakonzerne weltweit und verfügt über ein sehr breites Spektrum an Medikamenten für unterschiedlichste Behandlungsfelder.

Alkermes: Anbieter auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen

Schizophrenie, Depression, Sucht: Schwerwiegende Störungen der Psyche sind das Spezialgebiet des 1987 gegründeten Pharmaunternehmens Alkermes. Aufgrund der Komplexität solcher Erkrankungen und der Tatsache, dass neurobiologische und psychische Entstehungsfaktoren teilweise immer noch nicht geklärt sind bzw. von einer Vielzahl an Risikofaktoren ausgegangen wird, ist die Entwicklung wirksamer Medikamente eher schwierig. Schizophrenie etwa wurde zwar in der Psychiatrie erstmals im Jahr 1908 als Krankheitsbild beschrieben.

Damit einher gehen Symptome wie Wahn, Halluzinationen und zum Beispiel Denkstörungen. Schizophrenie ist somit nicht mit der umgangssprachlich oft vermischten „gespaltenen“ (dissoziativen oder multiplen) Persönlichkeit zu verwechseln. Bis erste medikamentöse Therapien eingesetzt werden konnten, dauerte aber bis in die 1950er Jahre. Dass bestimmte Neuroleptika, so die Fachbezeichnung für diese Medikamentengruppe, aus dieser Frühphase heute immer noch eingesetzt werden, ist auch ein Zeichen dafür, dass insgesamt nur wenig Bewegung bei der Therapie für dieses spezielle Krankheitsbild herrscht.

Etwa in den 1990er Jahren kamen neue Medikamente auf den Markt, Neuroleptika der sogenannten zweiten Generation, welche ein besseres Nebenwirkungsprofil versprachen. Zwar werden hier seltener die gefürchteten Ticks und Bewegungsstörungen wie bei den alten Wirkstoffen ausgelöst, allerdings müssen vermehrt unerwünschte Begleiterscheinungen wie starke Gewichtszunahme in Kauf genommen werden. Mangels Alternativen sind diese moderneren Mittel zwar weltweit im Einsatz, viele Patienten fürchten allerdings die Nebenwirkungen.

Der irische Konzern Alkermes konnte im Juni dieses Jahres nun die FDA-Zulassung eines neuen Kombipräparats namens Lybalvi bekanntgeben, die Markteinführung ist für das vierte Quartal 2021 geplant. Darin werden zwei Wirkstoffe kombiniert, die den Studien zufolge eine gute antipsychotische Wirkung bei einer „statistisch signifikant geringeren Gewichtszunahme als Olanzapin“ (einem der Wirkstoffe) aufweisen, so der Hersteller in einer Pressemitteilung. Schizophrenie betrifft statistisch stabil etwa ein Prozent der Bevölkerung – egal ob in den Industrieländern oder in Krisengebieten.

Die Medikamente können den Patienten bei der Bewältigung ihres Lebens helfen, aber nicht heilen. Oft ist eine lebenslange Einnahme erforderlich. Obwohl psychische Erkrankungen also keine Seltenheit sind und somit ein vergleichsweise großer Markt gegeben ist, bleiben die Forschungsaktivitäten eher speziell. Alkermes könnte daher auch für Anleger ein spannendes und ergänzendes Investitionsumfeld eröffnen. Der Titel ist noch nicht so bekannt wie die großen Player der Branche, die bisherige Historie und das angekündigte neue Medikament lassen aber auf gute Geschäfte hoffen.

Autorin: KS, Redaktion Fondsdiscount.de

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