TEHERAN (dpa-AFX) - Der im Iran inhaftierten Menschenrechtlerin Nasrin Sotudeh ist nach über zwei Jahren erstmals Hafturlaub zugestanden worden. Das gab am Samstag die iranische Justiz laut Nachrichtenagentur Isna bekannt. Sotudeh war letzten Monat vom berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran in die Frauenhaftanstalt Gharchak südlich der Hauptstadt verlegt worden. Den Angaben der Justiz zufolge hat Sotudeh den Hafturlaub bereits angetreten. Eine Bestätigung seitens ihres Ehemanns Resa Chandan gab es zunächst nicht.

Laut Chandan war Sotudehs Gesundheitszustand in den vergangenen Wochen besorgniserregend, besonders nach ihrem fast 50-tägigen Hungerstreik. Unter anderem leidet die 57-Jährige an einer Herzschwäche, wegen der sie im September auch fünf Tage in einem Krankenhaus in Teheran behandelt werden musste. Mit dem Hungerstreik wollte die Anwältin und Frauenrechtlerin gegen die Haftbedingungen der politischen Gefangenen während der Corona-Pandemie protestieren.

Sotudeh wird "staatsfeindliche Propaganda" vorgeworfen. Über ihre Haftstrafe gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben ihres Ehemannes wurde sie 2018 von einem Revolutionsgericht zu einer Haftstrafe von 33 Jahren und sechs Monaten sowie zu 148 Peitschenhieben verurteilt. Von der Haft muss sie mindestens 12 Jahre absitzen. Später war aber auch von 38 Jahren die Rede.

Sotudeh hatte vor Gericht alle Vorwürfe gegen sie zurückgewiesen. Sie engagiere sich lediglich friedlich für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe im Land. Sie und ihr Mann gehören zu den renommiertesten Menschenrechtsaktivisten im Iran./str/fmb/DP/zb