Kaum ein deutsches Unternehmen wurde von der Pandemie so schwer getroffen wie die Lufthansa (WKN: 823212). Deshalb ist es eigentlich auch kaum verwunderlich, dass die Aktie auf jede noch so kleine Nachricht im Zusammenhang mit Impfstoffen extrem reagiert. Allein im vergangenen Monat hat die Aktie um knapp 30 % zugelegt und kostet inzwischen wieder 10,07 Euro (Stand: 7.12.2020).

Inzwischen ist es so weit, dass der Impfbeginn in einigen Ländern kurz bevorsteht. Das ist natürlich erst mal eine gute Nachricht für die Lufthansa. Aber ist der deutliche Kursanstieg damit auch gerechtfertigt? Und wenn ja, gibt es noch weiteres Potenzial nach oben?

Hoffnung auf einen Impfstoff beflügelt die Lufthansa-Aktie

Die Hoffnung auf die zeitnahe Zulassung eines Impfstoffs ist genau das, was die Lufthansa nach einem extrem harten bisherigen Jahr gebraucht hat. Wenn es erst einmal so weit ist, dass ein Impfstoff verfügbar ist, besteht Hoffnung, dass sich die Geschäfte wieder normalisieren. Nur kann niemand genau sagen, wie sich der Markt entwickeln wird.

Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass sich der Markt dauerhaft verändern und erst in einigen Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird. Denn insbesondere Geschäftsreisen werden in Zukunft wohl deutlich weniger stattfinden als in der Vergangenheit. Geschäftsreisende sind aber traditionell die lukrativsten Kunden der Airlines und damit eine wichtige Zielgruppe. Sollte sich dieser Markt nicht wieder normalisieren, wäre das sehr schlecht für die Lufthansa.

Die Lufthansa arbeitet daher mit Hochdruck daran, auch in einem signifikant kleineren Markt profitabel arbeiten zu können. Zentraler Bestandteil des aktuellen Sparplans ist die Verkleinerung der Flotte. Um insgesamt 150 Flugzeuge soll sie verkleinert werden. Gleichzeitig wird man sich von einer großen Zahl an Mitarbeitern trennen müssen. Insgesamt sollen die Personalkosten um 200 Mio. Euro pro Jahr gesenkt werden.

Kann die Aktie die Flughöhe halten?

All das hat dazu beigetragen, der Aktie neuen Schwung zu verleihen. Aktuell ist die Lufthansa an der Börse 6 Mrd. Euro wert. Die 6 Mrd. verraten aber nur die halbe Wahrheit. Denn in den letzten Jahren ist die Verschuldung deutlich gestiegen. Dank der praktisch über Nacht eingebrochenen Nachfrage, die sich in den letzten Monaten nur schleppend entwickelt hat, sieht die Bilanz derzeit schlimmer aus als je zuvor. Am Ende des letzten Quartals lag die Nettoverschuldung bei 8,9 Mrd. Euro.

Sobald die Lufthansa in den kommenden Quartalen wieder die Gewinnschwelle erreicht, wird das Abtragen dieses Schuldenbergs höchste Priorität haben müssen. Insbesondere die staatlichen Kredite werden ansonsten in den kommenden Jahren tiefe Löcher in die Bilanz reißen, da die Zinssätze Jahr für Jahr ansteigen.

Bis diese Aufgabe bewältigt ist, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Oder aber man entscheidet sich für den schnelleren Weg der Kapitalerhöhung. Auf diese Weise würde die Lufthansa sofort an frisches Eigenkapital kommen. Dem Aktienkurs würde das aber wohl eher wenig guttun, da sich der Unternehmenswert nun auf eine größere Zahl von Aktien verteilen würde.

Ob die Lufthansa-Aktie also wirklich noch Luft nach oben hat, könnte sich schon in den kommenden Quartalen entscheiden. Sollte sich die Zahl der Passagiere rasch erholen, könnte die Lufthansa dank der deutlich schlankeren Strukturen überproportional profitieren! Sollte sich der Markt dagegen nur schleppend erholen, könnte die Aktie noch über Jahre eine Berg-und-Tal-Fahrt erleben.

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Dennis Zeipert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Autor: Dennis Zeipert, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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