Der Reisevermittler legt nach verlustreichen Pandemiejahren ein solides Quartalsergebnis vor. Die TUI-Aktie legt nach vorangegangenen Kursstürzen wieder zu, die Anleger reagieren mit gemischten Gefühlen.

Europas führender Tourismuskonzern TUI hat sein Zahlenwerk zum abgelaufenen Quartal veröffentlicht. Demnach sprang der Umsatz von 650 Millionen auf 4,4 Milliarden Euro kräftig nach oben, verglichen mit dem pandemiebelasteten Vorjahreszeitraum. Die Gewinnschwelle konnte der Reiseanbieter dennoch nicht überschreiten, sondern war bei seinem bereinigten operativen Ergebnis (EBIT) 25 Millionen in den Miesen. Im Vorjahresviertel hatte der Verlust allerdings noch deutlich mehr, nämlich 670 Millionen betragen. 

Hauptgrund für den Fehlbetrag waren Sonderkosten in Höhe von 75 Millionen Euro, welche der Konzern aufgrund von Flugausfällen und -verspätungen schultern musste. Das betraf rund 200 Flugausfälle in Manchester. Lässt man diese Sonderkosten außen vor, war das EBIT mit 48 Millionen Euro sogar klar positiv. Konzernweit habe TUI 96 Prozent aller Gäste pünktlich oder nur leicht verspätet an die Urlaubsorte gebracht.

Die Buchungen haben mittlerweile mit 11,5 Millionen Gästen rund 90 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus von 2019 erreicht. Das stimmt den scheidenden Vorstandschef Fritz Joussen optimistisch: Er rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem „signifikant“ operativen Gewinn vor Sondereffekten. Hautnah miterleben wird er das allerdings nicht mehr – zum 30. September übernimmt der bisherige Finanzvorstand Sebastian Ebel das Konzernruder. Dieser hat auch bereits angekündigt, aufgrund der hohen Inflation die Hotelpreise in den kommenden Jahren moderat zu erhöhen. Was er indessen nicht beantworten konnte, ist, wann TUI die restlichen Staatshilfen aus den Corona-Programmen zurückgeben wird.

An den Börsen kam das Zahlenwerk offenbar durchmischt an: Die TUI-Aktie verlor im Xetra-Handel nach Zahlen zeitweise zwei Prozent ihres Werts, erholte sich dann ein wenig und notiert aktuell bei 1,71 Euro. Damit haben sich die Anteilsscheine seit ihrem Jahrestief Mitte Juli um gut 20 Prozent erholt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22 (Basis: 2022e) ist der Konzern allerdings sehr hoch bewertet.

(tl) für die wallstreet:online Zentralredaktion

 


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