BERLIN (dpa-AFX) - Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, befürwortet in der Corona-Pandemie eine gezieltere Quarantäneregelung an Schulen. Bedingung sei eine sorgfältige Kontrolle über Tests, sagte er am Montag bei einem Pressebriefing des Science Media Centers. In einigen Bundesländern werde schon jetzt geschaut, ob nur das infizierte Kind in Quarantäne geschickt werden und der Rest weiter zur Schule gehen könne. Wenn man diesen Weg sorgfältig und kontrolliert beschreite, sei das "insgesamt ein guter Weg".

"Das ist dann ganz wichtig, dass der Rest der Klasse gut getestet wird und hier die Kontrollfunktion nicht verloren geht", ergänzte er. Dann könne das eine Maßnahme sein, die zwei Dinge miteinander verbinde: "Nämlich einerseits, die Infektionskette frühzeitig zu stoppen. Frühzeitiger als man sie stoppen würde, wenn man auf die Symptomatik warten würde", sagte Dötsch. "Und zweitens den Schulunterricht für alle anderen, die nicht das Virus in sich tragen, weiter aufrechtzuerhalten."

Es spiele für Quarantäneregelungen generell eine große Rolle, ob jemand eine hohe oder eine niedrige Viruslast habe, wie eng der Kontakt sei und wie stark die Schutzmaßnahmen, so Dötsch. Für das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig spielt auch die Treffgenauigkeit bei Quarantänemaßnahmen eine Rolle. Sie liege in der Schule zum Beispiel deutlich niedriger als in einem Haushalt, sagte Berit Lange, Leiterin der Klinischen Epidemiologie am HZI.

In manchen Bundesländern ist der neue Quarantäne-Ansatz an Schulen nicht unumstritten. In Berlin hatten die Amtsärzte geschlossen dafür votiert, um zum Beispiel Sitznachbarn eines infizierten Kindes bei weiterhin negativem Test ohne Unterbrechung den Schulbesuch zu ermöglichen. Der Senat hatte diesen Vorstoß unterbunden, aber die Quarantänezeit für Kontaktpersonen verkürzt. Berliner Kinder und Jugendliche müssen in Zukunft nur noch 5 statt 14 Tage in Quarantäne, wenn sie Kontakt mit positiv getesteten Mitschülern hatten.

Am Montagnachmittag wollten die Gesundheitsminister über Quarantäne an Schulen beraten./vl/DP/ngu