BERLIN (dpa-AFX) - Die Corona-Pandemie hat nach Experteneinschätzung die Lage für Kinder und Jugendliche, die auf Unterstützung angewiesen sind, noch einmal deutlich verschlechtert. Wer in Armut oder mit einer Behinderung aufwachse, werde von den Folgen der Pandemie besonders hart getroffen, teilte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) am Dienstag mit. Die AGJ ist nach eigenen Angaben "Forum und Netzwerk bundeszentraler Zusammenschlüsse, Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Jugendhilfe in Deutschland".

"Das Fatale ist, dass die soziale Karriereleiter unten keine Sprossen hat. Wer einmal in Armut - von Hartz IV - lebt, der wird das mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent auch in den nächsten fünf Jahren noch tun", sagte die AGJ-Vorsitzende Karin Böllert. Mit Blick auf die Situation junger Menschen mit schwerer Behinderung sprach der Verband von einer "Härtefall-Situation der Corona-Pandemie". Ein Großteil von ihnen sei in den vergangenen Monaten von der Außenwelt quasi abgeschnitten gewesen, da unter anderem Einrichtungen und Therapieangebote geschlossen oder stark eingeschränkt waren.

"Dann waren die Eltern mit ihren behinderten Kindern zu Hause - oftmals isoliert, um das Risiko einer Corona-Infektion zu vermeiden", sagte Böllert. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang eine "falsche Impfpriorität": "Es wird höchste Zeit, dass wir Eltern von behinderten Kindern ein schnelles Impfangebot machen."/jr/DP/fba