ANTWERPEN (dpa-AFX) - Etwa 150 Klima-Aktivisten sind Medienberichten zufolge am Samstag auf das Gelände einer Chemiefabrik in der belgischen Hafenstadt Antwerpen eingedrungen. Wie die Nachrichtenagentur Belga meldete, wollte die Gruppe mit der Besetzung gegen den Bau neuer Produktionsanlagen für Kunststoffe bei der Firma Ineos protestieren. Sie forderte die flämische Regionalregierung auf, ihre Unterstützung für das Projekt des britischen Unternehmens einzustellen. Die Polizei beobachtete die Lage am Nachmittag weiter.

Bei der Herstellung von Kunststoffen aus Erdgas und anderen Kohlenwasserstoff-Verbindungen entsteht - wie in vielen anderen industriellen Prozessen - das Treibhausgas CO2. Die Demonstranten kritisierten außerdem, dass zum Bau des erweiterten Werkes Wald gerodet werden muss. Sie befürchten auch, dass Ineos Schiefergas als Ausgangsstoff einsetzt. Diese Art Erdgas liegt gebunden im Gestein vor, sie wird unter anderem mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren aus dem Untergrund gepresst. Dabei, so die Aktivisten, werde oft auch Methan-Gas selbst frei. Dieses hat noch eine deutlich stärkere Wirkung auf die Erwärmung der Erdatmosphäre als CO2.

Eine Demonstrantin wurde mit den Worten zitiert: "Man will die Leute dazu bringen, sich ökologischer zu verhalten. Aber wenn die Regierungen weiter die fossile Industrie bevorzugen und die Herstellung von noch mehr Plastik erlauben, wird sich wenig ändern."

Ineos kritisierte die Aktion. Die Aktivisten hätten einen Zaun durchschnitten und sich so Zutritt auf das Gelände verschafft. Dabei seien Sicherheitsrisiken missachtet worden: "Wir sind besorgt über die Anwesenheit von Demonstranten in der Nähe chemischer Anlagen."/jap/DP/zb