BERLIN (dpa-AFX) - Fünf Jahre nach dem als historisch gefeierten Pariser Klimaabkommen bescheinigt der Klimaforscher Ottmar Edenhofer der Staatengemeinschaft zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung. Es sei problematisch, dass sich die Staaten weit überwiegend bislang nicht an ihre freiwilligen Selbstverpflichtungen gehalten hätten, sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Insbesondere Europa, die USA und China müssten nun glaubwürdige Initiativen ergreifen, um den Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen zu reduzieren. Dann würden etwa auch kleinere asiatische Länder mitziehen, die noch sehr stark auf Kohle als Energiequelle setzten. Es brauche einen globalen Kohleausstieg in den nächsten zehn Jahren, sonst schließe sich das Fenster für das in Paris angestrebte Ziel, die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Das UN-Abkommen von Paris war am 12. Dezember 2015 vereinbart worden. Inzwischen hat sich die Erde schon um rund 1,2 Grad erwärmt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die vergangenen sechs Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die fatalen Folgen sind - je nach Region - mehr verheerende Unwetter, Stürme, Überschwemmungen sowie Dürren und Hitzewellen.

In Deutschland müsse der Autoverkehr stärker in den Blick genommen werden, forderte Edenhofer, der auch Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change ist. Denn trotz verbesserter Abgaswerte der einzelnen Modelle seien die Emissionen hierzulande nicht gesunken - unter anderem, weil die Fahrzeuge im Schnitt schwerer seien und auch mehr gefahren werde. Angezeigt sei auch hier ein "grundlegender Richtungswechsel".

Angesichts der Gefahren wie vermehrt auftretender Wetterextreme sei Klimapolitik wie Autofahren im Nebel: "Wir müssen vorsichtiger sein", mahnte er. Bei der Erderwärmung zähle jedes Zehntel Grad, das vermieden werde./toz/DP/zb