BERLIN (dpa-AFX) - Die Koalition aus Union und SPD verhandelt über die Aufnahme von Flüchtlingen von den griechischen Inseln in Deutschland. Die Gespräche seien wie bereits seit Tagen im Gange, hieß es am Dienstag in SPD-Kreisen. Zuvor war bekannt geworden, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) rund 1500 weitere Migranten von den Inseln in Deutschland aufnehmen wollen. Wie die Deutsche Presse-Agentur von Innenpolitikern erfuhr, handelt es sich um Familien mit Kindern, die in Griechenland bereits als schutzbedürftig anerkannt wurden.

Am Freitag hatte Seehofer mitgeteilt, Deutschland werde von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen, die in andere europäische Länder gebracht werden sollen, bis zu 150 Jugendliche aufnehmen. Ein weiterer schritt solle sich auf Familien mit Kindern konzentrieren.

Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hatten Seehofers Ankündigung am Freitag als "inakzeptabel" kritisiert und die Aufnahme "eines maßgeblichen Anteils" der Menschen gefordert. Esken forderte am Sonntagabend "einen hohen vierstelligen Betrag".

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag in der CDU-Präsidiumssitzung nach Angaben von Teilnehmern dann gesagt, sie sei mit Seehofer in Abstimmungen mit dem Ziel einer Entscheidung bis zur Sitzung des Bundeskabinetts an diesem Mittwoch. Der SPD-Vorstand beschloss am Montag, Deutschland solle einem maßgeblichen Anteil der Betroffenen Schutz bieten.

Griechische Regierungsvertreter hatten zuletzt allerdings betont, man wolle die Migranten lieber vor Ort versorgen. Ein neues Lager könnte unter gemeinsamer Führung der EU und Griechenlands entstehen. Der Vorschlag der Aufnahme von rund 1500 Migranten sei mit der griechischen Regierung besprochen worden, hieß es nun aber von den deutschen Innenpolitikern./bw/abc/DP/men