SANTIAGO DE CHILE (dpa-AFX) - Vor der Abstimmung im Parlament über eine vorzeitige Rentenauszahlung ist es in Chile zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten errichteten in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) in verschiedenen Vierteln der Hauptstadt Santiago de Chile Barrikaden, steckten Autos in Brand, plünderten Geschäfte und griffen Polizeiwachen an, wie der Radiosender Cooperativa berichtete. Über 60 Menschen wurden festgenommen.

Zuvor hatten Menschen im ganzen Land mit einem sogenannten Cacerolazo

- dem Klappern mit Töpfen und Pfannen - das umstrittene

Gesetzesvorhaben unterstützt. Am Mittwoch sollte die Abgeordnetenkammer darüber abstimmen, ob die Chilenen bis zu zehn Prozent ihrer Pensionseinlagen vorzeitig abheben dürfen. Die Opposition will so die wirtschaftlichen Härten durch die Corona-Pandemie abfedern. Die konservative Regierung lehnt den Vorschlag ab und hat ihrerseits andere Hilfsmaßnahmen angeboten.

In Chiles Rentensystem zahlen die Arbeitnehmer zehn Prozent ihres Bruttolohns in private Rentenfonds ein. Das 1980 noch während der Militärdiktatur eingeführte System steht schon seit langem in der Kritik. Gerade Geringverdiener erhalten im Alter nur sehr geringe Rentenzahlungen./dde/DP/eas