NEW YORK (dpa-AFX) - Der US-amerikanische Büroraum-Anbieter WeWork will laut Kreisen die Kontrolle über sein lukratives Indien-Geschäft erlangen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Das New Yorker Unternehmen befindet sich demnach in Verhandlungen mit dem Franchisenehmer Buildcon, um 70 Prozent von WeWork Indien zu einem Kaufpreis von 1,9 Milliarden US-Dollar (1,7 Mrd Euro) zu übernehmen. Der Kauf solle in bar und in Aktien erfolgen und könnte im August abgeschlossen sein, hieß es.

Die Übernahme des schnell wachsenden Geschäftszweigs würde dem Start-up und Anbieter von gemeinsam genutzten Büroflächen ermöglichen, die Immobilien von WeWork Indien in die eigenen Bücher zu nehmen. Bei seinem angepeilten Börsengang könnte das dem Unternehmen zugute kommen, weil das ausgewiesene Wachstum dann höher ausfiele. Wachstum ist bei Start-ups eines der maßgeblichen Kriterien für deren Bewertung.

Ein Stotterstart wie beim IPO (Initial Public Offering - Erstnotiz) von Uber <US90353T1007> im Mai soll vermieden werden. Aufgrund des bislang nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönten Börsengangs des Fahrdienstvermittler liegt ein Schatten über Unternehmen wie WeWork, die an der Börse zum ersten Mal Geld von Investoren einsammeln wollen.

Die Bedingungen des möglichen Deals könnten sich allerdings noch ändern oder die Gespräche abgebrochen werden, sagte ein Insider. Der Gesamtwert von WeWork Indien wird aktuell auf 2,75 Milliarden Dollar taxiert.

WeWork Indien ist ein Franchise-Unternehmen, das bislang von Buildcon kontrolliert wird. Das Unternehmen gehört dem Immobilien-Milliardär Jitu Virwani und seinem Sohn Karan Virwani. Der ältere der beiden Virwanis ist Vorsitzender und Geschäftsführer des indischen Immobilienentwicklers Embassy Group mit Sitz in Bangalore. Sein Sohn Karan ist Unternehmenschef von WeWork Indien. Die Franchise-Lizenz läuft 2021 aus.

WeWork wurde im Jahr 2010 gegründet und in Finanzierungsrunden laut US-Medienberichten zuletzt auf einen Unternehmenswert von 47 Milliarden US-Dollar taxiert. Das Unternehmen ist Vorreiter bei der Vermietung von gemeinsam genutzten Büroflächen. Der Konzern wächst beständig und verfügt mittlerweile über 425 Bürostandorte in 36 Ländern. Mit trendigen Arbeits-, bunten Konferenzbereichen und Entspannungsecken, in denen mitunter gezapftes Bier serviert wird, hat das Start-Up bisherige Bürogepflogenheiten umgekrempelt.

Indien ist einer der am schnellsten wachsenden WeWork-Märkte. Innerhalb von 18 Monaten sind 35 000 Büroarbeitsplätze in mehr als 20 gemeinsam genutzten Flächen entstanden. Dort sind unter anderem Unternehmen wie Microsoft <US5949181045> und Amazon <US0231351067> in Bangalore sowie Spotify <LU1778762911> und Bumble in Mumbai untergebracht. Bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2020 im März kommenden Jahres soll das Indien-Geschäft auf 90 000 Büroarbeitsplätze ausgebaut werden./eas/knd/men/mis