NÜRNBERG (dpa-AFX) - Nach der vorzeitigen Abberufung der Spitzenmanagerin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Valerie Holsboer, könnte die Chefin der Arbeitsagentur in Nordrhein-Westfalen in den BA-Vorstand aufrücken. Christiane Schönefeld, die 62 Jahre alte Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion in NRW, sei die Favoritin mehrerer BA-Verwaltungsratsmitglieder, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld des Gremiums. Zuvor hatten mehrere andere Medien darüber berichtet. Offiziell soll über die Holsboer-Nachfolge erst in den nächsten Wochen entschieden werden.

Schönefeld, die 33 Jahre Bundesagentur-Erfahrung mitbringt, gilt als führungsstark und durchsetzungsfähig. Kritiker sehen in der Volljuristin allerdings eine Vertreterin der "alten Bundesagentur" mit eher traditionellen Führungsstrukturen, die Holsboer habe aufbrechen wollen, dabei aber gescheitert sei.

Auch BA-intern gilt Schönefeld wegen ihres Alters nur als Interimslösung. Danach, so heißt es in Verwaltungsratskreisen, könnte die frühere Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt, ihre Aufgabe übernehmen. Dem widersprachen am Samstag umgehend Spitzenvertreter des BA-Verwaltungsrats. Es sei nicht daran gedacht, die Position mit Cordt zu besetzen, hieß es.

Holsboer muss vorbehaltlich der Zustimmung der Bundesregierung als einzige Frau im Vorstand der Bundesagentur vorzeitig ihren Posten räumen. Eine Mehrheit des BA-Verwaltungsrats hatte am Freitag die Abberufung der 42 Jahre alten Finanz- und Personalchefin beschlossen. Sie war lediglich zwei Jahre im Amt. Viele Beschäftigte hatten mit der Managerin große Hoffnungen auf einen Kulturwandel bei der Mammutbehörde verbunden. Doch die Seite der Arbeitgeber im Verwaltungsrat war unzufrieden mit der Arbeit der Vorstandsfrau./kts/DP/fba