MAILAND (dpa-AFX) - Die italienische Großbank Unicredit prüft Insidern zufolge einen vorläufigen Ausstieg aus dem Russland-Geschäft. Der zweitgrößte Kreditgeber Italiens wägt demnach unter anderem die Möglichkeit ab, seine russische Einheit mit einer Rückkauf-Option zu veräußern, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die angestrebte Struktur würde es der Unicredit ermöglichen, die Tochtergesellschaft zurückzukaufen, wenn sich die geopolitische Lage stabilisiert. Die Bank wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die Unicredit gehört in Europa zu den Instituten mit einem besonders starken Engagement in Russland - neben der österreichischen Raiffeisen Bank International und der französischen Societe Generale . Das Engagement der Unicredit in Russland umfasst 70 Filialen, 4000 Angestellte und rund 1500 Firmenkunden. Daran sollen nun sowohl nicht-sanktionierte russische Finanzinstitute Interesse bekundet haben, als auch Firmen, die an einer Banklizenz in Russland interessiert sind. Außerdem gebe es Bewerber aus China, der Türkei und Indien, die versuchen, die Aktivität westlicher Firmen in Russland zu ersetzen.

Anders als unter anderem die Konkurrenz aus Frankreich hat sich die Unicredit bislang nicht aus Russland zurückgezogen. Konzernchef Andrea Orcel zeigte sich stattdessen optimistisch, dass Russland wieder auf dem Weltmarkt Fuß fassen wird. Sich von der Tochtergesellschaft zu trennen, lehnte er bislang ab: "Sie abzuschreiben und zu verschenken ist nicht vereinbar mit Sanktionen und ist unserer Meinung nach moralisch nicht korrekt", sagte er im Juni.

Zum Jahresauftakt hatte das Russland-Geschäft das Ergebnis des Mutterkonzerns der Hypovereinsbank jedoch erheblich belastet und damit die Pläne Orcels belastet, in den kommenden Jahren mindestens 16 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe und Dividenden zu stecken. Der Gewinn der Unicredit sackte im ersten Quartal um rund 70 Prozent auf 247 Millionen Euro ab. Insgesamt wurden die Risiken in Russland um 1,85 Milliarden Euro reduziert - mehr als 1,2 Milliarden Euro über eine höhere Risikovorsorge für den Ausfall von Krediten sowie einer Abschreibung von rund 600 Millionen Euro./lew/mne/jha/