MOSKAU (dpa-AFX) - Der Kreml hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen davor gewarnt, Kritik an Russland mit der Zukunft der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu verknüpfen. "Was die erwähnte Gasleitung anbelangt, so sollte man wahrscheinlich damit aufhören, sie im Kontext irgendeiner Politisierung zu erwähnen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau der Staatsagentur Tass zufolge. Die Gasleitung sei ein kommerzielles Projekt, das im Interesse sowohl von Russland als auch der Länder der Europäischen Union sei, in erster Linie aber Deutschlands.

Zuvor hatte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union gesagt: "Denjenigen, die engere Beziehungen zu Russland fordern, sage ich: Die Vergiftung von Alexej Nawalny mit einem hoch entwickelten chemischen Kampfstoff ist kein Einzelfall." Das gleiche Muster habe man zuvor in Georgien und der Ukraine, in Syrien und Salisbury gesehen - und bei der Einmischung in Wahlen weltweit.

"Dieses Muster ändert sich nicht - und keine Pipeline wird daran etwas ändern", betonte von der Leyen. Peskow sagte dazu: "Wir widersprechen dieser Aussage kategorisch." Der Fall Nawalny müsse aufgeklärt werden. Dafür sei aber die Zusammenarbeit mit Deutschland notwendig, meinte der Kremlsprecher.

Der Kremlkritiker Nawalny wird seit rund vier Wochen in Berlin wegen einer Vergiftung behandelt. Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor als zweifelsfrei erwiesen an, dass der 44-Jährige mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurde.

In Deutschland wird seit rund zwei Wochen intensiv darüber diskutiert, ob als Reaktion auf die Vergiftung des Oppositionellen ein Baustopp des Pipeline-Projekts verfügt werden sollte. Russland wies Vorwürfe, in den Fall verwickelt zu sein, strikt zurück./cht/DP/eas