ATHEN (dpa-AFX) - Griechische und zyprische Medien haben die neuen Sanktionen der EU gegen die Türkei am Freitag als schwach und einen Misserfolg bezeichnet. "Es war eine Nacht wie auf einem orientalischen Basar", hieß es in der konservativen Tageszeitung "Kathimerini". Berlin, Rom und Madrid hätten darauf bestanden, die Einigung über Sanktionen aufzuschieben. Nun warte das Staatenbündnis auf den Amtsantritt des künftigen US-Präsidenten Joe Biden in der Hoffnung, er werde mäßigend auf die Türkei einwirken. Von einer "neuen Gnadenfrist für die Türkei" schrieb das zyprische Portal Philenews.

Griechenland und Zypern hatten wegen des Erdgaskonflikts im Mittelmeer härtere Sanktionen gegen die Türkei gefordert, darunter ein Waffenembargo. Die Staats- und Regierungschefs verständigten sich beim EU-Gipfel am Donnerstag jedoch lediglich darauf, dass Einzelpersonen und Unternehmen sanktioniert werden könnten, die im Mittelmeer an als illegal erachteten Probebohrungen beteiligt sind. Sie könnten mit Einreiseverboten und Vermögenssperren belegt werden.

Beim nächsten Gipfel im März solle die Situation neu bewertetet werden, hieß es - ein Ansatz, der in zyprischen und griechischen Medien wahlweise als "Aufschieberitis" oder "Erniedrigung" bezeichnet wurde. Auch der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis soll enttäuscht gewesen sein, berichtete das Internetportal Politico und Berufung auf diplomatische Quellen - Europa sei gefangen im Wenn und Aber, soll er gesagt haben.

Griechenland und Zypern werfen der Türkei vor, in Meeresgebieten nach Erdgas zu suchen, die nach internationalem Seerecht nur von ihnen selbst ausgebeutet werden dürften. Die Türkei argumentiert, dass sie das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen nie unterschrieben habe und die erkundeten Zonen zum türkischen Festlandsockel gehörten. Die EU hatte die türkischen Aktionen in den Meeresgebieten mehrfach scharf kritisiert und der Türkei wiederholt mit Sanktionen gedroht./axa/DP/eas