BERLIN (dpa-AFX) - Die Landkreise haben Ankündigungen einzelner Städte über ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Migranten aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria kritisiert. "Derartige Alleingänge sind nicht hilfreich und sollte es nicht geben", sagte der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Flüchtlingsaufnahme liege rechtlich in der Verantwortlichkeit des Bundes und sei keine Frage, die auf kommunaler Ebene entschieden werden könne.

Es schwäche die Position Deutschlands nach außen, "wenn einige wenige deutsche Städte vorbei am gesetzlichen Rahmen einzelne Personen aufnehmen wollen", warnte Sager. Er stellte aber klar: Die Aufnahme auch von mehr als 150 Flüchtlingen aus Moria werde Deutschland "sicherlich nicht überfordern, weder Länder noch Kommunen". Denkbar sei ein Sonderaufnahmeprogramm der Bundesregierung, um einen entsprechenden Beitrag zu leisten. "Wir sprechen dabei ja letztlich von weniger als zehn Personen pro Bundesland. Gut und richtig ist es in dieser Situation auch, vor allen Dingen Kinder und Familien aufzunehmen."

Die Lage in Moria müsse "die EU-Länder aufrütteln, endlich Verhandlungsbereitschaft für ein funktionierendes System der Prüfung der Asylberechtigung an den EU-Außengrenzen und für einen Verteilungsmechanismus zu zeigen", sagte Sager. Es sei "nicht erklärbar, dass wir im äußersten Notfall hektisch Menschen retten müssen, es aber für den Normalfall kein befriedigendes Prozedere gibt, das solche Zustände gar nicht erst entstehen lässt".

Bisher hat sich Deutschland bereiterklärt, von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen, die aus Griechenland in andere europäische Länder gebracht werden sollen, 100 bis 150 Jugendliche aufnehmen. In der Bundesregierung liefen am Montag Gespräche über die Aufnahme von weiteren Schutzsuchenden aus dem durch Feuer zerstörten Flüchtlingslager Moria. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will eine Entscheidung bis zur Sitzung des Bundeskabinetts an diesem Mittwoch./akl/DP/nas