BERLIN (dpa-AFX) - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat erneut nachdrücklich um Unterstützung für eine allgemeine Corona-Impfpflicht geworben. "Wir können die Pandemie für Deutschland zum ersten Mal beenden mit der Impfpflicht", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Bundestag. "Wir stehen im Herbst an der gleichen Stelle wie jetzt, wenn wir diese einmalige Chance nicht gemeinsam ergreifen."

Lauterbach betonte, dass die vorhandenen Impfstoffe wirkten, um schwere Krankheiten und Tod zu verhindern. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Herbst keine Schwierigkeiten haben, die Corona-Pandemie zu bekämpfen, liegt bei fast null Prozent", sagte der SPD-Politiker mit Blick auf erwartete weitere Virus-Wellen. "Das ist fast so wahrscheinlich, als dass wir gar keinen Herbst bekämen."

Dann werde sich auch wieder die Frage einer Überlastung des Gesundheitssystems stellen und über Beschränkungen diskutiert werden müssen, machte Lauterbach deutlich. Und dann werde erneut das ganze Land "in der Geiselhaft dieser Gruppe" sein, die sich gegen die weltweite wissenschaftliche Evidenz durchsetzen wolle, sagte er mit Blick auf weiterhin ungeimpfte Menschen. "Die Ungeimpften tragen derzeit die Verantwortung dafür, dass wir nicht weiterkommen."

Wenn es gelinge, bei Über-60-Jährigen eine Impfquote deutlich über 90 Prozent zu bekommen und im Rest der Bevölkerung eine so hohe, dass Wellen sich nicht mehr richtig ausbreiten könnten, dann müsse man nicht erneut in die bisherigen Endlosschleifen zurück, sagte Lauterbach. Er äußerte sich in der Debatte nicht als Minister, sondern ging aus den Abgeordnetenreihen der SPD ans Rednerpult./bw/sam/jr/DP/mis