BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Lehrerverband hat sich "überrascht" geäußert, dass Deutschland beim aktuellen Pisa-Test nicht schlechter abgeschnitten hat. "Die Probleme und Herausforderungen für deutsche Schulen in den letzten Jahren waren riesig", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Als Beispiele hoher Mehrbelastung nannte er 200 000 zusätzliche Kinder mit Migrationshintergrund, die 2015 bis 2017 an deutsche Schulen gekommen seien, massiven Lehrermangel und hohen Unterrichtsausfall. "Es ist mit Sicherheit ein Verdienst auch unserer Lehrkräfte, dass da die Leistungen nicht noch stärker heruntergegangen sind", erklärte Meidinger.

Im am Dienstag veröffentlichten internationalen Vergleichstest Pisa hatten deutsche Schüler in allen drei Testbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter abgeschnitten als beim vorangegangenen Test vor drei Jahren. Die Werte lagen aber immer noch über dem OECD-Durchschnitt. Zudem hatte sich gezeigt, dass jeder fünfte 15-Jährige nur sehr schlecht lesen und schreiben kann.

Meidinger zeigte sich darüber "äußerst beunruhigt". Diese Schüler seien nicht in der Lage, einen ordentlichen Beruf zu ergreifen und am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Der Lehrerpräsident forderte verbindliche Sprachstandstests in allen Bundesländern und eine Verpflichtung zum Besuch von Förderkursen, wenn diese Tests negativ ausfallen. "Wenn wir diese sprachliche Frühförderung nicht umsetzen und den Lehrermangel nicht in den Griff kriegen, sehe ich für die nächste Pisa-Studie und damit für die Zukunftschancen unserer Schüler pechschwarz", sagte Meidinger./jr/DP/men