Fluggesellschaften gehörten lange Zeit nicht zu Warren Buffetts Lieblingsaktien. Im Gegenteil, er mied sie strikt und konnte nicht genug negative Argumente (wie ein starker Preiskampf) gegen sie aufzählen. Seit 2016 scheint sich diese Meinung jedoch komplett gedreht zu haben, denn sonst hätte er über Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) nicht gleich in die vier großen amerikanischen Gesellschaften Delta Air Lines (WKN: A0MQV8), Southwest Airlines (WKN: 862837), United Continental (WKN: A1C6TV) und American Airlines (WKN: A1W97M) investiert.

Den Grund dafür liefert er selber. Nach einer langen Reihe von Übernahmen wurden aus mehr als 20 Konkurrenten nur noch vier große Akteure. Der Wettbewerb hat sich beruhigt. Und wer Buffett kennt, weiß, wie wichtig ihm die Wettbewerbsposition eines Unternehmens ist.

Aber trifft dies auch auf die europäischen Unternehmen Lufthansa (WKN: 823212) und Ryanair (WKN: A1401Z) zu? Welche Aktie wär heute die bessere Wahl?

Die Marktstellung

Lufthansa ist schon sehr viel länger am Markt als Ryanair und über seine Network Airlines (dazu zählen Lufthansa, SWISS und Austrian Airlines), Eurowings sowie die Logistik- und Techniksparte ein breit aufgestellter Konzern. Für ihn arbeiten weltweit etwa 550 Tochterunternehmen, über 138.000 Mitarbeiter, die 2018 circa 35,8 Mrd. Euro Umsatz erwirtschafteten. Aufgrund seiner verschiedenen Angebote agiert der Konzern sowohl im Qualitäts- als auch im Discountsegment. So hart, wie sich der Wettbewerb heute darstellt, könnte jedoch zukünftig eine weitere Spezialisierung notwendig werden, um die Marktführerschaft zu halten.

Ryanair erscheint dagegen mit seinen 19.000 Mitarbeitern und im Geschäftsjahr 2018/19 erzielten knapp 7,7 Mrd. Euro Umsatz immer noch sehr klein. Dafür ist es jedoch als Discount-Anbieter hochspezialisiert. Dies ist ein Vorteil, der dem Unternehmen wahrscheinlich auch zukünftig weitere Marktanteile einbringen wird. Aktuell ist der Konzern hauptsächlich in Europa aktiv. Die Flotte beträgt mittlerweile etwa 475 Flugzeuge. Lufthansa besaß Ende 2018 etwa 763 Flugzeuge.

In Summe ist Lufthansa die größere und breiter aufgestellte Airline, weshalb sie hier den Punkt erhält.

Bisherige Geschäftsentwicklung

Nun könnte man denken, die marktbeherrschenden sind immer die besseren Firmen und stellen deshalb auch die bessere Aktie. Dem ist aber nicht so. Wie die Historie zeigt, kommen immer wieder kleine innovative Firmen (wie zum Beispiel Amazon (WKN: 906866), Tesla (WKN: A1CX3T) oder Netflix (WKN: 552484)) auf, die sich sehr viel besser entwickeln und den etablierten Konzernen das Leben schwermachen.

So ist Ryanairs Umsatz über die vergangenen zehn Geschäftsjahre durchschnittlich um 11,1 % gewachsen. Bei Lufthansa dagegen nur noch um 5,4 %. Ryanair erzielte in jedem einzelnen Jahr Gewinn und konnte diesen relativ stetig steigern. Lufthansa musste zwei Verlustjahre verbuchen und erlebte ein stetiges Auf und Ab, was sich natürlich auch auf den Aktienkurs auswirkte.

Aufgrund seiner hohen Spezialisierung (gegen die kaum ein Konkurrent ankommt), erzielte Ryanair immer eine zweistellige Nettomarge. Sie lag im Schnitt bei 14,6 %. Lufthansa ist dagegen nicht überall spitze, zahlt sehr viel mehr Steuern und muss deshalb um seine Gewinne kämpfen. Hier liegt die durchschnittliche Nettomarge bei nur 3,2 %. Ryanair verfügt zudem mit 43 % über die höhere Eigenkapitalquote gegenüber Lufthansa mit nur 20 %.

Dieser Punkt geht also an Ryanair.

Weitere Aussichten

In letzter Zeit mussten beide Unternehmen widrige Umstände bewältigen. Ryanair kam damit jedoch besser zurecht und konnte in seinem ersten Geschäftshalbjahr 2019/20 den Gewinn stabilisieren und den Umsatz um 11f % steigern. Das Unternehmen hat 135 Boeing (WKN: 850471) 737 Max bestellt, die nun vielleicht erst im Oktober 2020 eintreffen werden. Ein No-Deal-Brexit oder ein Konjunktureinbruch könnte die weiteren Aussichten verschlechtern. Derzeit rechnet Ryanair jedoch im gesamten Geschäftsjahr mit einem Passagierwachstum von 8 % und einem Gewinn von 800 bis 900 Mio. Euro (Vorjahr: 885 Mio. Euro).

Lufthansa rechnet für 2019 hingegen mit einem leichten Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der Gewinn sank in den ersten drei Quartalen 2019 um 42 %. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einer bereinigten EBIT-Marge von 5,5 bis 6,5 %, was gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 (mit 9,0 %) eine Verschlechterung darstellen würde.

Dieser Punkt geht also auch eher an Ryanair.

Der Gewinner ist

Insgesamt scheint Ryanair derzeit die bessere Strategie zu besitzen, weshalb die Aktie langfristig deutlich besser abgeschnitten hat. Lufthansa muss wahrscheinlich noch mehr Kosten einsparen und sich noch stärker spezialisieren, um auf Renditen wie Ryanair zu kommen.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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Christof Welzel besitzt Berkshire Hathaway-Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Berkshire Hathaway, Delta Air Lines, Netflix, Southwest Airlines und Tesla. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Short Januar 2021 $200 Puts auf Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Long Januar 2021 $200 Calls auf Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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