Mit dem Aufkommen des Sommers scheint sich die Aktie der Lufthansa aktuell zu drehen. Denn die Aussichten für den globalen Tourismusmarkt, der wieder Geld in die Kassen spülen kann, werden optimistischer. Gleichzeitig gehen auch die Fallzahlen zurück, was die Chancen zum Reisen erhöht. Ein anhaltendes Problem der Lufthansa ist jedoch die hohe Bilanzverschuldung. 

Lufthansa zahlt Corona-Hilfen fleißig ab 

Wie jetzt anhand der Aussage von Harry Hohmeister, Mitglied des Vorstands der Airline, ersichtlich wird, herrscht bei der Fluggesellschaft mit Hauptsitz in Köln ein eindeutiger Tenor. Und zwar sollen Schulden und staatliche Hilfen so schnell wie möglich zurückgezahlt werden. Laut dem Top-Manager ist der Konzern eher bereit, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren. Bisher habe das Management hinter den Lufthansa-Aktien 2,3 Milliarden Euro aus der Kasse zur Rettung des Unternehmens herangezogen. Davon wurde jedoch sogar schon eine Milliarde Euro zurückgezahlt. 

Lufthansa bekommt Unterstützung vom Bund in Sachen Kapitalerhöhung

Medienberichten zufolge ist die Bundesregierung geneigt, sich zumindest teilweise an dem auf drei Milliarden Euro geschätzten Kapitalerhöhungsplan der Lufthansa zu beteiligen. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg zitierte am Mittwoch mit der Sache vertraute Personen, die Bundesregierung könne damit eine Verwässerung ihrer 20%-Beteiligung an der Airline verhindern und gleichzeitig die Erfolgschancen für die milliardenschwere Kapitalmaßnahmen erhöhen.

In Zeiten der Pandemie hat der Bund der unter vorübergehendem Flugstillstand leidenden Lufthansa Finanzhilfen gewährt. Der größte Teil der Hilfe beinhaltet eine stille Einlage in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. Einen Teil des Erlöses will die Lufthansa zur Rückzahlung des Kapitals verwenden.

Reuters hatte vor drei Wochen über den Kapitalerhöhungsplan berichtet. Im Sommer oder Frühherbst könnten mindestens 3 Milliarden Euro neue Aktien ausgegeben werden. Der MDAX-Konzern zieht es vor, eine große Kapitalerhöhung statt mehrerer kleiner durchzuführen. Die Deutsche Bank und Bank of America haben es mit institutionellen Investoren für Lufthansa versucht. Brancheninsider sind der Meinung, wenn der Bund weiterhin größter Aktionär sei, sei dies ein gutes Zeichen für den Kapitalmarkt und sichert die Kapitalerhöhung der Bank. Das kann jedoch aufgrund staatlicher Hilfen dazu führen, dass die  EU-Kommission wieder auf die Bühne gerufen wird. 

Der Bund kann sich laut einem Bloomberg-Bericht auf zwei Arten beteiligen: Entweder durch den Verkauf eines Teils der Bezugsrechte oder durch den Kauf neuer Aktien. Auf diese Weise muss er das Geld des neuen Steuerzahlers nicht in die Hand nehmen, sondern der Anteil des Bundes wird verwässert. Oder der Bund nutzt sein Bezugsrecht, um Lufthansa-Aktien zu einem Preis von bis zu 1 Milliarde Euro zu kaufen. Lufthansa und Bundeswirtschaftsministerium äußerten sich nicht zu dem Bericht, auch das Finanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Lufthansa-Aktie mit deutlichen Kursgewinnen

Harry Hohmeister, Mitglied des Lufthansa-Vorstands, sorgt für gute Laune bei Anlegern. Für Juli und August erwartet er ein starkes Nachfragewachstum. Dazu werden 50 Flugzeuge reaktiviert. Seit der Lufthansa-Aktienkurs am 1. März mit 12,96 Euro ein 52-Wochen-Hoch erreichte, konsolidiert er sich in Form eines geneigten Keils. Nach einem starken Kursverfall durch den massiven Verkauf der Thiele-Erben vor knapp zwei Wochen ist der Titel nun Stück für Stück gestiegen und hat den Kursverlust wettgemacht.

Am gestrigen Dienstag gelang der Aktie ein entscheidender Sprung bis auf 10,99 Euro an der Frankfurter Börse. Gegenwärtig notiert das Papier mit einem Plus von 1,02 Prozent bei 11,06 Euro.

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