PARIS (dpa-AFX) - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine eine Neuaufstellung der europäischen Verteidigung verlangt. Auf dem informellen EU-Gipfel in Versailles am Donnerstag und Freitag kommender Woche solle über die Stärkung der Verteidigung geredet werden, sagte Macron in einer Ansprache zum Ukraine-Krieg am Mittwochabend. Europa könne bei seiner Verteidigung und Energieversorgung nicht länger von anderen abhängig sein, sondern müsse stärker in die eigene Unabhängigkeit investieren. Auch Frankreich werde seine Verteidigung weiter stärken.

"Weder Frankreich, noch Europa, noch die Ukraine, noch die Atlantische Allianz haben diesen Krieg gewollt", sagte Macron. "Russland wird nicht angegriffen, sondern ist der Aggressor." Dennoch wolle er weiter mit Kremlchef Wladimir Putin reden. "Wir befinden uns nicht im Krieg mit Russland", sagte Macron. "Ich habe mich dafür entschieden, mit Präsident Putin in Kontakt zu bleiben, und werde dies auch weiterhin tun, so gut ich kann und so viel wie nötig ist, um unermüdlich zu versuchen, ihn davon zu überzeugen, auf Waffengewalt zu verzichten."

Hunderttausende Flüchtlinge aus der Ukraine seien unterwegs und Frankreich werde seinen Teil dazu beitragen, sie aufzunehmen, sagte Macron. Unterdessen schwor er die französische Wirtschaft und Bevölkerung auf Belastungen ein. "Unsere Landwirtschaft, unsere Industrie, viele unserer Wirtschaftssektoren leiden und werden leiden", sagte er. "Unser Wachstum wird unweigerlich beeinträchtigt werden. Die Verteuerung von Öl, Gas und Rohstoffen hat und wird sich auf unsere Kaufkraft auswirken."

Der russische Einmarsch in die Ukraine sei ein Epochenwechsel, so der französische Präsident. Der Krieg in Europa sei nicht mehr Teil der Geschichtsbücher, sondern der Gegenwart. Die Demokratie sei nicht mehr unumstößlich, vielmehr werde sie offen in Frage gestellt./evs/DP/he