DOVER (dpa-AFX) - Der Fähranbieter P&O Ferries steht nach der Kündigung seiner gesamten Schiffsbesatzungen schwer in der Kritik. Die britische Regierung kündigte an, ihre Verträge mit dem Unternehmen zu überprüfen. Die Gewerkschaft RMT nannte das Vorgehen "eine der schändlichsten Taten der Geschichte" der britischen Sozialpartnerschaften und will gegen die Entscheidung klagen. In den Häfen Dover, Liverpool und Hull waren am Freitag Proteste geplant.

Der Marktführer betreibt unter anderem die wichtigen Verbindungen zwischen Dover und Calais sowie zwischen Rotterdam und Hull. Wegen der Massenentlassungen hat das Unternehmen derzeit alle Verbindungen abgesagt. Vor dem wichtigen Hafen Dover stauten sich Lastwagen.

P&O ist im Besitz des Hafenbetreibers DP World mit Sitz in Dubai und war wegen der Folgen der Corona-Pandemie in finanzielle Schieflage geraten. Am Donnerstag hatte P&O überraschend die sofortige Entlassung von 800 Crew-Mitgliedern verkündet. An ihrer Stelle sollen günstigere Zeitarbeiter auf den Schiffen eingesetzt werden.

Der Schifffahrtsverband UK Chamber of Shipping verteidigte das Unternehmen. "Sie haben wegen der Pandemie 100 Millionen Pfund im Jahr verloren, wegen eines Ereignisses, das sie nicht kontrollieren konnten", sagte einer der Direktoren, Peter Aylott, dem Sender BBC Radio 4. "Natürlich mussten sie etwas tun." Mit der Entscheidung seien die übrigen 2200 Arbeitsplätze gesichert worden./bvi/DP/zb