Sehr geehrter Herr Echt, mir ist die Media and Games Invest insbesondere durch Ihren CEO, Herrn Remco Westermann, bekannt. Denn diesen habe ich in der Vergangenheit schon interviewt. Daher weiß ich auch, dass zu ihren wichtigsten Beteiligungen die Gamigo gehört. Aber da nicht jedem unserer Leserinnen und Leser die Media and Games Invest oder Gamigo ein Begriff sein wird, würde ich Sie bitten, zuerst einmal sich selbst und dann auch Ihr Unternehmen kurz vorzustellen.

Antwort von Paul Echt:

Ich bin Paul Echt, der CFO von Media and Games Invest. Vor meiner Zeit im Silicon Valley habe ich Jura und Finance studiert. Anschließend ging ich zur Unicredit, wo ich schon von der Bankenseite her mit dem Unternehmen in Kontakt kam. Nun bin ich für dieses seit fast zwei Jahren als CFO tätig.

Media and Games Invest (MGI) setzt seit der gamigo-Übernahme im Mai 2018, den Wachstumspfad der gamigo AG weiter fort. MGI ist seitdem Hauptaktionär der gamigo AG, einem Online-Spiele-Publisher der stark in Europa und Nordamerika ist. Die Gaming Aktivitäten hat MGI in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und zusätzlich eine starke Präsenz im digitalen Medienbereich aufgebaut.

Kern der Strategie bildete das Wachstum durch Merger & Acquisitions, konkret haben wir in den vergangenen sechs Jahren über 25 solcher Transaktionen durchgeführt. Ziel dabei war es stets, entsprechende Synergien zu heben und natürlich die notwendige kritische Masse zu erreichen, was auch gelungen ist.

So konnte man die EBITDA-Marge von seinerzeit 10% auf zuletzt 30% erhöhen können. Ab dem Jahr 2016 wurde damit begonnen zusätzlich auch Medienfirmen dazu zu kaufen, ganz einfach um das Thema Kundenakquise für die angebotenen Spiele zu verbessern und weil der Medienbereich ähnlich dem Gaming Bereich sehr technologiegetrieben und fragmentiert ist.

Es tummeln sich also viele Unternehmen in diesen Bereichen, die jedoch oftmals nicht über die erforderliche kritische Masse verfügen. Teilweise hängt deren Geschäftsentwicklung nur von einem oder wenigen Großkunden (Medien) oder Spielen (Gaming) ab, so dass der Verlust solcher Kunden existenzielle Krisen auslöst.

Genau solche Unternehmen fallen in unser Raster und bilden potenzielle Übernahmekandidaten. Nach einem erfolgten Zukauf integrieren wir die Firma und legen dabei den Fokus auf Synergiepotenziale, um im ersten Schritt erhebliche Overhead Kosten zu sparen und diese im Rahmen unsere umfangreichen IT-Ressourcen weiterzuentwickeln. Zusätzlich bestehen zwischen den Gaming und den Medienfirmen der MGI Synergiepotenziale. Das sieht konkret so aus, dass wir die Expertise der Medienfirmen zur Kundenakquise für unsere Spiele einsetzen und umgekehrt haben die Medienfirmen Zugriff auf qualitativ hochwertige Werbeflächen in den Spielen.

Ich habe in der Vergangenheit gelesen, dass sich die Media and Games Invest auch mal mit der Blockchain-Technologie befasst hat. Was ist daraus geworden, wie sieht es hier aus?

Antwort von Paul Echt: Auf Basis der Blockchain haben wir beispielsweise einen Marktplatz zum Handel sogenannter In-Game-Items entwickelt. Zukünftig könnte diese Technologie den Handel mit In-Game-Items regulieren und vereinfachen. Wir haben uns hier in eine vielversprechende Ausgangssituation versetzt, um auf diesem Gebiet zukünftig eine führende Position einzunehmen. Insgesamt spielt das Thema Technologie eine sehr wichtige und entscheidende Rolle in der Strategie von MGI zum Beispiel auch bei der erfolgreichen Integration von Unternehmen und Assets. Wir verfügen auf diesem Feld über viel Expertise und Erfahrung.

Okay, Sie sind nun der CFO der MGI und wir sind hier auf der MKK, wo es ja letztlich ums Geld geht. Lassen Sie uns daher mal über Ihre Geschäftszahlen sprechen… wie beurteilen Sie Ihr Geschäftsjahr 2019 und wie sieht Ihr Ausblick auf 2020, auch vor dem Hintergrund einer möglichen wirtschaftlichen Abschwächung, aus?

Antwort von Paul Echt: 2019 war ein gutes Jahr für MGI, das durch organisches und anorganisches Wachstum geprägt war. Wir haben unsere Gaming Aktivitäten ausgebaut und im Medienbereich mit Reachhero, AppLift und PubNative Mitte des Jahres drei größere Akquisitionen umgesetzt. In unseren Gesamtjahreszahlen 2019 werden sie nur anteilig enthalten sein, trotzdem werden wir in den reporteten Zahlen einen ganz deutlichen Umsatz- und Ergebnissprung zeigen. Im laufenden Jahr wollen wir dann weiter wachsen Dabei setzen wir sowohl weiter auf Akquisitionen, also anorganisches Wachstum als auch auf organisches Wachstum

Sie schließen also weitere Akquisitionen nicht aus. Haben Sie da denn aktuell schon entsprechende Kandidaten im Auge?

Antwort von Paul Echt: Wir sind aktuell bei fünf Unternehmen in der Due Diligence. Weitere dreißig Unternehmen stehen bei uns auf der Watchlist. Zudem verfügen wir über ausreichend Kapital, um Zukäufe zu stemmen. Natürlich nicht alle. Aber dank einer Kapitalerhöhung sowie der Begebung einer Anleihe sind wir finanziell stark aufgestellt.

Verstehen Sie mich aber nicht falsch. Nur weil wir über genügend finanzielle Mittel verfügen, werden wir nicht wahllos zukaufen. Wir sind sehr wählerisch, was Akquisitionen betrifft. Daher sollte man auch nicht mit fünfunddreißig Zukäufen rechnen, nur weil ich davon sprach, dass wir bei fünf Unternehmen in der Due Diligence sind und weitere dreißig beobachten.

Aber wir haben in den letzten Jahren im Schnitt drei bis fünf Transaktionen pro Jahr gemacht. Das ist meines Erachtens eine gute Richtgröße.

Sie hatten eingangs erwähnt, dass Remco Westermann sozusagen der Mastermind hinter der MGI ist. Wie bereits ausgeführt, kenne ich ihn ganz gut. Schade, dass er nicht hier sein kann. Aber wie ich gehört habe, hat man zuletzt die Führungsebene generell etwas breiter aufgestellt, so dass er auch etwas entlastet wurde. Ist das korrekt?

Antwort von Paul Echt:

In der Tat wurde die Führungsebene im Konzern zuletzt deutlich erweitert und verbreitert. Jens Knauber leitet nun den Gaming-Bereich. Er ist schon seit über sieben Jahren an Bord und hat die letzten beiden Transaktionen im Gaming-Bereich geleitet.

Stefan Rascher ist ungefähr zu der Zeit zum Unternehmen gestoßen, als auch ich dazu stieß. Er war zuvor bei E-Plus und Google tätig. Stefan ist CSO und in dieser Funktion für die Firmen adspree, Mediakraft und ReachHero verantwortlich, deren Produkt- und Dienstleistungsportfolio unter der Media Elements Group zu einem 360 Grad Portfolio zusammengeführt werden sollen und hat da auch das Thema Sales stark vorangetrieben.

Gary Coffey ist bei uns verantwortlich für den IT-Bereich, verfügt über mehr als 12 Jahren Erfahrung im Bereich fintech und Engineering und hat vorher mehrere Jahre für Bombardier im Bereich IT und digitale Transformation gearbeitet.

Ich selbst bin – wie erwähnt – vor zwei Jahren zum Unternehmen gestoßen.

Alles in allem haben wir nun eine sehr gute Führungsmannschaft, so dass Remco in der Tat ein entlastet wurde und viele Aufgaben schrittweise an uns übertragen hat, sodass er sich nun verstärkt den strategischen Aufgaben widmen kann.

Herr Echt, ich bedanke mich für dieses sehr interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg! Und grüßen Sie mir Herrn Westermann…

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