BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern hat Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor wachsendem politischem und gesellschaftlichem Druck auf Eltern gewarnt, ihre Kinder gegen Covid-19 impfen zu lassen. "Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann", sagte Reinhardt der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Freitag).

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Freitag über die Zulassung des Impfstoffs von Biontech /Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren beraten. Bund und Länder haben sich am Donnerstag darauf verständigt, dass sich Kinder dieser Altersgruppe in Deutschland ab 7. Juni impfen lassen können, falls die EU-Behörde grünes Licht gibt.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland will sich mit ihrer Empfehlung für die Impfung von Kindern ab 12 Jahren noch Zeit lassen, weil aus ihrer Sicht die Daten über Nebenwirkungen noch zu dünn sind. Sie hat angedeutet, dass sie eine Impfung womöglich nurn für vorerkrankte Kinder empfehlen könnte.

Reinhardt begrüßte das Vorgehen der Stiko. "Es sollte jetzt auch kein politischer und gesellschaftlicher Druck ausgeübt werden, Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu drängen", mahnte der Präsident der Bundesärztekammer. "Schon gar nicht darf die Teilnahme am Präsenzunterricht von einer Impfung abhängig gemacht werden. Dies wäre nichts anderes als eine Corona-Impfpflicht durch die Hintertür."

Auch Intensivmediziner sehen eine Impfung junger Menschen skeptisch, aber aus anderen Gründen: "Kinder erkranken häufig asymptomatisch oder im Verlauf harmlos und haben deshalb derzeit bei knappen Impfstoffkapazitäten keine dringliche Indikation für eine Impfung", sagte der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Florian Hoffmann, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). "Im Sinne der Intensivbettenkapazitäten haben erwachsene Patienten bei der Impfung also weiterhin höchste Priorität, da diese ein relevantes Risiko eines intensivpflichtigen Verlaufs haben."/wn/DP/stk