Regenerative Energien sind ein Megatrend. Doch im laufenden Jahr gab es bei vielen Aktien im Bereich der sauberen Energien deutliche Rücksetzer. Echter Crash oder gesunde Korrektur? So schätzen ESG-Experten die Lage ein.

Während Aktien aus dem Bereich der erneuerbare Energien 2020 zu den Gewinnern der Börse zählten, gab es in dem Sektor in diesem Jahr deutliche Rückschläge. Der RENIXX (Renewable Energy Industrial Index) World, ein Branchen-Aktienindex für erneuerbare Energien, gab im laufenden Jahr beispielsweise fast 20 Prozent nach:

Bei Solaraktien gab es ebenfalls eine deutliche Korrektur. Max Deml, ESG-Experte und Gründer des Öko-Invest-Verlags: „Da der „Solaraktien-Index PPVX“ im Jahr 2020 über +177 Prozent stieg, ist der Rückgang von rund 16 Prozent in diesem Jahr nicht verwunderlich [...].“ Grund für den jüngsten Rücksetzer sei der Preisanstieg bei Solarmodulen, der wiederum ein Resultat des Chipmangels sowie steigender Siliziumpreise sei. Die gestiegenen Preise bei Solarmodulen hätten schließlich zu „Auftragsrückgängen bei den Herstellern“ geführt. Worauf einige Unternehmen wie Enphase Energy ihre Umsatzprognosen reduzieren mussten.

Trotzdem sieht ESG-Expert Deml den langfristigen Aufwärtstrend bei Aktien aus dem Bereich der regenerativen Energien nicht in Gefahr: „Der Siegeszug der erneuerbaren Energien ist nicht aufzuhalten: Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (mit +1.118 Prozent) rund 1.000 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +109 Prozent).“

Titel von Windparkbetreibern sowie Turbinenproduzenten gehören im Jahr 2021 ebenfalls zu den Verlierern der Börse. Die Aktie des dänischen Offshore-Windenergie-Spezialisten Orsted verlor im laufenden Jahr zum Beispiel mehr als 25 Prozent:

Die Aktie des deutschen Windkraftanlagen-Herstellers Nordex verlor im selben Zeitraum rund 15 Prozent:

Wasserstoff-Titel waren indes am stärksten von dem jüngsten Crash bei grünen Aktien betroffen. Der Grund: Viele der Wasserstoff-Unternehmen erwirtschaften noch keine Gewinne und die Titel waren teilweise mit einem dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich überbewertet. Die Aktie des US-amerikanischen Brennstoffzellenherstellers PlugPower verlor beispielsweise innerhalb von nur drei Monaten fast 40 Prozent:

Für Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capitalm, „kommen vor allem die Abwärtsbewegungen im Bereich der Wasserstoffaktien nicht überraschend. „Mehrfach habe ich – auch auf wallstreet:online – darauf hingewiesen, dass die Börse keine Einbahnstraße ist und dass die fundamentalanalytischen Bewertungsparameter langfristig immer Recht bekommen. Wenn Aktien wie Nel ASA oder Plug Power an der Börse mit dem 100-fachen Umsatz gehandelt werden, ist das keine akzeptable Bewertung.“ Insbesondere bei Wasserstoff-Aktien sieht Hasler deshalb „weiter Luft nach unten“.

Doch bedeutet der jüngste Rücksetzer, dass hier gerade eine Spekulationsblase, ähnlich der Dotcom-Blase im Jahr 2020, platzt? Sarah McCarthy von Bernstein Research glaubt dies nicht. Gegenüber dem Handelsblatt sagte sie: “Hier ist keine Spekulationsblase geplatzt, der Sektor steht im Zentrum der staatlichen Ausgabenpolitiken und der Transformation in eine Null-Emissions-Wirtschaft.“ Die jüngsten Kursabschläge seien das Resultat steigender Bondrenditen und der allgemeinen Angst vor höheren Zinsen.

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion

 

 

 

Jetzt den vollständigen Artikel lesen