Was bedeuten die aktuellen Marktkorrekturen? Für Konstantin Oldenburger, Analyst bei CMC Markets, sind sie "der Preis für den Eintritt in den wunderbaren Vergnügungspark namens Börse." Ist alles gar nicht so wild?

Vor allem bei den US-Techs oder am Krypto-Markt sehen wir zurzeit deutliche Rückgänge. Der Dax lässt ebenfalls den Kopf hängen. Auf der anderen Seite scheinen bei manchen Investoren keine Alarmglocken anzuschlagen. Indiz dafür: Der Fear & Greed Index von CNN Business steht im neutralen Bereich. Müsste er nicht eigentlich längst wie vor einem Monat im roten Bereich auf "Fear" stehen? Was denn jetzt? Antworten im Interview mit Konstantin Oldenburger (Foto), CMC Markets.

wallstreet:online: Wie können wir die aktuelle Marktlage einschätzen, Herr Oldenburger? Ist es doch nicht so schlimm? Ist alles wieder gut?

Konstantin Oldenburger: Angst und Gier sind letztendlich die beiden Treiber eines Marktes. Die Stimmungen der Marktteilnehmer ändern sich ständig und können eine Orientierung für Anleger bieten. Ein perfektes Timing für Käufe oder Verkäufe lässt sich damit jedoch nicht ableiten.

Die Frage, ob alles wieder gut ist an den Börsen, ist jedoch eine falsche. Die richtige Frage wäre, ob denn etwas nicht gut war. Der Aufwärtstrend seit dem Corona-Abverkauf ist weiterhin intakt und Anleger haben im vergangenen Jahr eine Performance von über 15 Prozent mit dem deutschen Leitindex erzielen können. In den USA lief es für Anleger sogar noch besser. Korrekturen sind an der Börse nicht zu vermeiden und kommen immer wieder vor. Hierzu gibt es vor allem aus den USA gute Statistiken.

Seit 1950 erlebte der S&P 500 in 65 von 70 Jahren eine Korrektur von fünf Prozent oder mehr innerhalb eines Jahres von Höchststand zu Tiefststand. Von 1950 bis 2021 fand also in rund 93 Prozent der Fälle eine fünfprozentige Korrektur innerhalb eines Jahres statt, was verdeutlicht, dass man nicht darum herumkommt. Ob sich daraus dann ein Crash oder ein Bärenmarkt entwickelt, muss dann jeweils gesondert geprüft werden.

wallstreet:online: Welche gefährlichen Crash-Klippen lauern in 2022? Inwiefern bilden die Schlagworte Lieferengpässe, Handelskrieg USA-China, schwächere Konjunktur, Inflation, Zinserhöhungen sowie Corona die gefährlichsten Crashrisiken in 2022 ab? Wie können Anleger um diese herumschiffen?

Konstantin Oldenburger: Es wird immer einen Bullenmarkt an Meinungen und möglichen Gründen geben, warum Aktien fallen werden, aber diese Meinungen werden nicht die künftige Entwicklung des Aktienmarktes bestimmen. Niemand kann die Zukunft exakt voraussagen, sodass das Folgen des jeweils herrschenden Trends sinnvoll ist.

Derzeitige Probleme oder Schwierigkeiten müssen nicht die Gründe für einen künftigen Abverkauf sein, viel wahrscheinlicher ist es, dass neue bisher nicht für möglich gehaltene Probleme auftreten, die dann dafür verantwortlich sind.

Zinserhöhungen z.B. können als eine Last für Unternehmen verstanden werden, auf der anderen Seite ist es aber auch eine Vertrauenserklärung der Notenbanken, dass die Wirtschaft stabil ist und an Fahrt gewinnt, sodass ein und dasselbe Argument bullisch wie auch bearisch gewertet werden kann. Das Thema Zinserhöhungen wird also erst wichtig, wenn es ein kritisches Niveau erreicht hat, und dieses liegt in der Regel nicht in den ersten Erhöhungen, sondern später.

Gefühle und einseitige Meinungen sind an der Börse eher ein Problem als eine Lösung. Gefühle bringen einen in Schwierigkeiten, denn die Märkte kümmern sich nicht um Gefühle oder Meinungen.

Die Gründe für Korrekturen sind immer unterschiedlich, aber Marktkorrekturen sind der Preis für den Eintritt in den wunderbaren Vergnügungspark namens Börse.

wallstreet:online: Herr Oldenburger, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion


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