FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - In der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber die angekündigten Warnstreiks der IG Metall als "nicht sinnvoll" kritisiert. "Manche IG-Metaller-Seelen brauchen wohl ein bisschen Geklapper, aber sinnvoll ist das angesichts der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Lage unserer Industrie nicht", sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf dem "Handelsblatt" (Freitag). Es gebe in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nichts zu verteilen. "Wir sollten die leichte Erholung der Industrie, die wir zum Glück sehen, jetzt nicht durch Warnstreiks gefährden."

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, kritisierte im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag) die geringen Fortschritte in den seit Mitte Dezember laufenden Verhandlungen. Der Vorschlag der Arbeitgeber sehe nach 2020 auch für das laufende Jahr keine Tariferhöhung vor. "Es tut mir leid: Das ist keine gute Basis für Tarifverhandlungen. Es begründet die Notwendigkeit, den Arbeitgebern nun auch durch Warnstreiks klarzumachen, dass es so nicht geht." Bei den Warnstreiks ab Dienstag werde man Betriebe in Kurzarbeit ausnehmen, weil dort kein wirtschaftlicher Druck aufzubauen wäre.

In der Nacht zum Dienstag (2. März) läuft die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren rund 3,8 Millionen Beschäftigten aus. Die IG Metall fordert unter anderem vier Prozent mehr Geld - entweder in Form von Lohnsteigerungen oder als zumindest teilweisen Ausgleich, wenn ein Betrieb in der Krise die Arbeitszeit reduziert. Außerdem verlangt sie mehr Mitsprache beim Umbau der Unternehmen. Die Arbeitgeber haben bislang eine nicht bezifferte Mischung aus Einmalzahlung und Tabellenerhöhung im Jahr 2022 angeboten. Reinreden lassen will sich Wolf aber auf keinen Fall: "Die Gestaltung des Strukturwandels ist eine urunternehmerische Aufgabe und fällt Nullkommanull unter die Mitbestimmung."/ceb/DP/mis