In meinem letzten Artikel zu dem Thema habe ich erklärt, weshalb ich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht verwende. Ein Argument ist beispielsweise die fehlende Berücksichtigung der Verschuldungssituation eines Unternehmens. Ich verwende daher die Free-Cashflow-Rendite für einen ersten Überblick über die Bewertung eines Unternehmens. 

Die Free-Cashflow-Rendite hat aber noch ein wesentliches Problem. Ähnlich wie das KGV handelt es sich nur um eine Momentaufnahme, die die Kennzahl wiedergibt. Tatsächlich entsteht langfristig der wesentliche Teil von Kurssteigerungen durch Umsatzwachstum und die Verbesserung von Margen. Diese Bestandteile bleiben allerdings auch in der Free-Cashflow-Rendite unberücksichtigt.

Die Probleme bei der Schätzung von Wachstum

Eine mögliche Weiterentwicklung der Free-Cashflow-Rendite wäre daher ein ähnlicher Ansatz wie beim PEG (Price/Earnings to Growth) Ratio, das wie folgt ermittelt wird:

PEG Ratio = KGV/Wachstum Gewinn je Aktie

Unsere neue Kennzahl nennen wir der Einfachheit halber FCF Ratio. Die Umstellung für unsere neue Kennzahl ist schnell erledigt:

FCF Ratio = 1/Free Cashflow-Rendite/Wachstum Free Cashflow

Beide Kennzahlen haben ein gemeinsames Problem. Welche Rate für das Wachstum soll man verwenden? Unternehmen und Experten liegen bei der Schätzung von zukünftigen Umsätzen und Gewinnen selbst regelmäßig komplett daneben. Historische Werte berücksichtigen nicht, wenn das Geschäftsmodell einer Firma aktuell der Disruption unterliegt. Einen kurzfristigen Konjunktureinbruch wie durch die Corona-Pandemie in vielen Branchen kann keine der Methoden erklären. Da es bei der Kennzahl aber vor allem um einen ersten Überblick gehen soll, löse ich das Problem recht pragmatisch in Excel. Ich berechne die Kennzahl dreimal. Einmal für die letzten fünf abgeschlossenen Jahre, die Prognose der kommenden drei Jahre und einmal für die gesamte Zeitspanne.

Interpretation der Ergebnisse

Für den ersten Überblick über die Unternehmensbewertung habe ich damit einen schnellen Einstieg. Ein niedriger Wert beim FCF Ratio spricht für eine niedrige Bewertung. Ein Wert unter 1 deutet auf eine Unterbewertung eines Unternehmens hin. In diesem Fall verlangt der Markt aktuell nicht den Preis für die Aktie, die aufgrund des Wachstums gerechtfertigt wäre.

Das FCF Ratio ist in meinen Augen eine gute Ergänzung der Free-Cashflow-Rendite. Die beiden Kennzahlen erklären eigentlich die wesentlichen Bestandteile von kurz- und langfristigen Kurssteigerungen. Kurzfristig sind es vor allem die Bewertungsausweitungen, die durch niedrige Free-Cashflow-Renditen erkannt werden können. Langfristige Kurssteigerungen lassen sich durch das Umsatzwachstum und die Steigerung der Gewinnmargen erklären, die ein niedriges FCF Ratio abbildet.

Die Grundlage einer positiven Aktienentwicklung bleibt trotz allem die hohe Qualität eines Unternehmens. Dazu gehört ein Geschäftsmodell, das einen Burggraben gegenüber der Konkurrenz bietet. Dieser Vorsprung äußert sich dann auch durch bessere Margen und eine gesunde Bilanz mit einer niedrigen Verschuldung.

Der Artikel Mit einer einzigen Kennzahl das Wachstum eines Aktienkurses einschätzen ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Autor: Florian Hainzl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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