Bild: Thomas R. Mayer von MR PLAN Group im Interview

Das Engineering Unternehmen MR PLAN Group mit hohem Beratungsansatz, beschäftigt sich mit der Integration von „grünem“ Wasserstoff in den Fertigungsprozessen von Industriebetrieben. Vor welchen Herausforderungen der Einsatz dieser CO2-neutralen Energieform steht, darüber haben wir uns mit Thomas R. Mayer, Mitglied des Management Boards, unterhalten.
 

Herr Mayer, „ohne grünen Wasserstoff keine Energiewende“, schrieb das Handelsblatt vor einigen Tagen in einem Artikel zum Thema. Warum ist Wasserstoff so bedeutsam?

Wir müssen weg von fossilen Energieträgern. Und dies nicht nur bei der Stromerzeugung, beim Auto und dem Verkehr generell, sondern auch in der Industrie mit Ihren energieintensiven Prozessen. Wasserstoff muss dabei aus Ökostrom gewonnenen werden und stellt bei vielen Einsatzgebieten aus heutiger Sicht die einzige Alternative zu fossilen Rohstoffen dar. Die Energieerzeugung und das für die Wasserstofferzeugung notwendige Elektrolyseverfahren auf Basis von grünem Strom ist nämlich klimaneutral.
 

Wo liegen nun die Herausforderungen bei der konkreten Umsetzung?

Die Liste im Detail ist sehr lang. In einem Wort zusammengefasst geht es um die „Industrialisierung“ der Wasserstofftechnologie. Viele technische und finanzielle Aspekte sind noch im Detail zu erarbeiten. Das fängt damit an, wo und wie der Wasserstoff erzeugt wird? Im sonnenarmen Deutschland oder etwa in Afrika? Bei Letzterem müssen aber der Transport per Schiff oder Pipeline organisiert und vor allem finanziert werden. Auch die Verteilung innerhalb Deutschlands ist ein heißes Thema. Am Beispiel der politisch umkämpften Stromtrassen, die Ökostrom von Nord nach Süd transportieren, sieht man, dass das nicht trivial ist. Das mit Abstand größte Problem dürfte aber die Speicherung des Wasserstoffs sein. Schließlich muss sich bei großflächigen Anwendungen eine Volkswirtschaft darauf verlassen können, dass immer genug davon bei den Verbrauchern vorhanden ist. Zentral oder dezentral? Das sind weitere Punkte. Hier besteht noch viel Klärungsbedarf, auch von Seiten der Politik.
 

Welchen Beitrag wollen Sie dabei leisten?

Unser Unternehmen, die MR PLAN Group ist anerkannter Spezialist bei der Planung von Fabriken und Work-Flow-Prozessen in der Industrie – einem der potenziell wichtigsten Einsatzgebiete von Wasserstoff. Hier sind wir dabei Lösungen zu erarbeiten, wie der Wasserstoff günstig und umsetzbar in die Arbeitsabläufe eines Fertigungsbetriebs integriert werden kann. Auch hier ist die Frage: Auf welche Weise wird Wasserstoff gelagert, so dass immer genug davon genutzt werden kann für die – durchaus schwankenden – Bedürfnisse eines Industriebetriebs. Und all dies natürlich effizient und zuverlässig. Schließlich soll Deutschland ein starker und bezahlbarer Industriestandort bleiben.
 

Welche konkreten Anwendungen kommen da in Frage?

Einer unserer Schwerpunkte ist die Automobilindustrie. Doch generell gehören alle Fertigungsbetriebe zur Zielgruppe, besonders auch der Anlagen- und Maschinenbau. Hier muss jeder einzelne Arbeitsschritt dahingehend geklärt werden, wie Wasserstoff dort die Energie- und Antriebsform darstellen kann. Das geht beim Gabelstapler los, der das Material hin- und herfährt, über die Bearbeitung der Werkstoffe, der Oberflächenbehandlung bis hin zum Betrieb einer Fertigungsstraße.
 

Was haben Sie also vor?

Wir entwickeln mit namhaften Partnern Pilotprojekte, um damit aufzuzeigen, wie die Fabrik der Zukunft aussehen kann. Gleichzeitig gestalten wir in dieser Konstellation die Basis, die bei der Planung von mit Wasserstoff betriebenen Großanlagen zu beachten ist. Alle Möglichkeiten und Aspekte müssen dort auf den Prüfstand, besonders der Herstellungs- und Nutzungsprozess bleibt technisch und wirtschaftlich im zentralen Blick! Die Antworten dazu können übrigens je nach Branche völlig unterschiedlich ausfallen.
 

Wie wird das Thema „Wasserstoff“ generell politisch flankiert?

Nun, es hat etwas gedauert. Aber im Frühjahr haben die Bundesregierung und die Länderregierungen Wasserstoffstrategien publiziert. Alleine vom Bund sollen für den Markthochlauf von Wasserstofftechnologien in Deutschland sieben Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, weitere zwei Milliarden Euro für internationale Partnerschaften. Auch wir bemühen uns mit unseren Partnern um die Möglichkeit der Nutzung dieser Fördermittel.
 

Welchen Effekt kann die Initiative des Bundes erzielen?

Bis 2030 soll in Deutschland eine Leistung von fünf Gigawatt erreicht werden, weitere fünf bis 2035. Angesichts des Energiebedarfs einer so großen Volkswirtschaft wie der unseren ist dies sehr wenig – doch ein guter Anfang.
 

Und wo steht Deutschland technologisch?

Wir haben über ca. vier Jahrzehnte wichtige Basisarbeit geleistet. Punktuell haben uns Wettbewerber aus Fernost allerdings in der Industrialisierung überholt. Dies gilt es aufzuholen. Genau deshalb beschäftigen wir uns mit der Wasserstofftechnologie, um technisch wie wirtschaftlich optimierte Lösungen zu finden.


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