Finanzminister Olaf Scholz gilt als bekennender Aktienmuffel. Ganz anders sein Neffe, Fabian Scholz: Er will mit der App rubarb die Geldanlage demokratisieren. Wir sprachen mit ihm über neue Investmentmöglichkeiten.

wallstreet:online : Herr Scholz, Sie wollen mit Ihrer Investment-App rubarb die Aktienkultur in Deutschland voranbringen. Ihr Onkel, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, ist bekennender Aktienmuffel. Wie kommen Sie damit zurecht und nutzt Ihr Onkel rubarb?

Fabian Scholz: Natürlich ist es jedem Menschen selbst überlassen, ob er oder sie in Aktien investieren möchte oder nicht – auch dem deutschen Finanzminister. Allerdings ist die fehlende Affinität zu Geldanlagen in Deutschland ein kulturelles Phänomen: Die Deutschen sind sehr auf ihre Sicherheit bedacht, wollen selten Risiken eingehen und begegnen Neuem prinzipiell mit Skepsis. Genau hier bräuchten wir mehr prominente Vorbilder, die uns vermitteln, dass Aktien stark positiv zur Vermögensbildung beitragen können. Soweit ich weiß, konnten wir Olaf noch nicht als rubarb-Nutzer gewinnen. Aber falls er es sich irgendwann noch anders überlegt, freuen wir uns natürlich!

wallstreet:online : Können Sie bitte rubarb in drei bis vier Sätzen kurz vorstellen?

Fabian Scholz: Wir wollen das Thema Geldanlage demokratisieren: Das heißt, jeder und jede in der Bevölkerung soll die Möglichkeit haben, renditestark zu sparen. Da das über Sparbuch und Girokonto einfach nicht mehr möglich ist, haben wir die rubarb-App entwickelt. Das „clevere Sparen“, wie wir es nennen, kann über drei verschiedene Möglichkeiten erfolgen: Aufrundungen von bargeldlosen Einkaufsbeträgen, Sparpläne und Einmalzahlungen. Das gesparte Geld wird dann automatisch in eines von drei ausgewählten nachhaltigen und global diversifizierten ETF-Portfolios eingezahlt – das alles ist unkompliziert, vollständig kostenfrei und setzt keine besonderen Vorkenntnisse voraus.

wallstreet:online : Warum könnten sich aus Ihrer Sicht Microinvestments für Anleger lohnen?

Fabian Scholz: Die Lebensrealität der allermeisten Menschen ist nun einmal, dass am Monatsende keine großen Summen an Geld übrig bleiben – gerade dann ist es aus unserer Sicht aber wichtig, das Ersparte anzulegen. Bliebe das Geld auf dem Konto oder Sparbuch liegen, würde es dort mit der Zeit durch Nullzins und Inflation aufgefressen. Nun macht Kleinvieh ja bekanntlich aber auch Mist, denn: Wer regelmäßig investiert, der spart selbst mit an sich kleinen Beträgen irgendwann größere Summen an, die dann dank des Zinseszinseffekts auch starke Rendite bringen können. Am Ende ist die Logik doch eine ganz einfache: Wenn ich nur wenige Rücklagen habe, sind sie für mich persönlich umso wertvoller. Dass aktuell gerade diese Menschen aber an den Finanzmärkten außen vor sind und deshalb Realwert-Verluste erleben, muss keinesfalls so sein. Wer reich ist, hat schon heute viele tolle Angebote. Wir treten an, um auch dem Rest der Bevölkerung das Spielfeld zu öffnen.

wallstreet:online : Obwohl sich immer mehr junge Menschen in Deutschland für Aktien und Börse interessieren, ist die Aktionärsquote hierzulande laut dem Deutschen Aktieninstitut mit 17,5 Prozent im Vergleich zu anderen Ländern immer noch relativ niedrig. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür und wie wollen Sie das mit Ihrer Investment-App ändern?

Fabian Scholz: Einerseits mangelt es in Deutschland an Vorbildern, die die Aktienkultur voranbringen könnten. Könnten Sie beispielsweise aus dem Stand sagen, wie viele oder gar welche der einhundert reichsten Deutschen aktiv in Unternehmen investieren? Jetzt vergleichen Sie das mal mit Ihrem Wissen über US-Investoren. Finanzen werden immer noch häufig als Tabu-Thema behandelt. Selbst mit der Familie und Freunden wird oft nicht über Einkommen und Ausgaben – und erst recht nicht über Investments – gesprochen. Genauso wenig Aufmerksamkeit wird der Geldanlage beispielsweise in den Schulen zugesprochen; dabei könnte eine frühzeitige und ganz grundlegende Finanzbildung entscheidend dabei helfen, vielen Menschen die Angst vorm Investieren zu nehmen.

Gleichzeitig scheinen es sich viele der bestehenden Anbieter am Markt zur Aufgabe gemacht zu haben, ein an sich recht einfaches Thema – insbesondere ETF-Investments – maximal komplex darzustellen. Hier wollen wir einen Gegenpol bilden. Mit unserer rubarb-App zeigen wir, dass jeder investieren kann – auch ohne viel Vorwissen und das große Geld. Und falls doch einmal Fragen aufkommen sollten, erklären wir in unserem Blog und auf unseren Social-Media-Kanälen viel Grundlegendes rund um die Themen Sparen und Investieren – zum Beispiel den vorhin angesprochenen Zinseszinseffekt.

wallstreet:online : Sie werben damit, dass Sie das Geld Ihrer Kunden in nachhaltige ETFs anlegen. Doch viele grüne ETFs stehen in der Kritik, denn es gibt bisher keine gesetzlichen Vorgaben, in was ein solcher ESG-ETF investieren darf und in was nicht. Damit landen oftmals auch Aktien aus Branchen, die überhaupt nicht nachhaltig sind (Öl-, Kohle-, Rüstungs- oder Flugzeug- oder Kreuzfahrtindustrie) im vermeintlich grünen ETF. Wie definieren Sie nachhaltige Geldanlagen und wie stehen Sie zu aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds?

Fabian Scholz: Aktuell bieten wir drei ETF-Portfolios von iShares an. Sie alle verfolgen einen nachhaltigen Investment-Ansatz nach SRI-Kriterien. Das heißt, sie schließen nicht nur etwa Anlagen in Rüstungs- oder Steinkohleunternehmen per se aus, sondern investieren gleichzeitig ausschließlich in die 25 Prozent der nachhaltigsten Unternehmen einer jeden Industrie. So kann sichergestellt werden, dass schädliche Industrien ganz außen vor bleiben und gleichzeitig in den verbleibenden Industrien nur die nachhaltigen Unternehmen gefördert werden. Damit sind wir extrem konkurrenzfähig.

Trotzdem haben wir höhere Ansprüche und das berühmte „Greenwashing“ ist auch uns ein Dorn im Auge. Deshalb werden wir noch in diesem Jahr gemeinsam mit einem führenden Asset Manager eigene Fonds auflegen, deren Titel echte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und zugleich performant sein müssen. Mit einem nochmal deutlich höheren Standard als SRI werden wir so neue Maßstäbe setzen und trotzdem attraktiv für Retail-Investoren sein.

Aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds können sicherlich eine gute Alternative zu passiven Anlageprodukten darstellen. Allerdings gibt es zwei Kritikpunkte: Häufig sind aktiv gemanagte Fonds stark konzentriert, sodass gerade für Retail-Investoren nicht ausreichend Diversifikation geboten wird. Des Weiteren sind die Kosten von aktiv gemanagten Fonds deutlich höher als bei passiven Fonds – bei zugleich schlechterer Rendite als bei rein passiven Strategien. Diese Kombination ist für uns ein Ausschlusskriterium.

wallstreet:online : Wie wollen Sie das Unternehmen rubarb weiter voranbringen und können Sie sich einen klassischen Börsengang oder einen SPAC vorstellen?

Fabian Scholz: Wir wollen rubarb so richtig groß machen und international die erste Anlaufstelle für die breite Masse der Bevölkerung sein, wenn es um Finanzfragen geht. Wir wollen zeigen, dass Finanzlösungen weder komplex noch wenig nahbar sein müssen – und schon gar nicht exklusiv.

Da wir als Unternehmen stark datengetrieben arbeiten, erlauben Sie mir eine Feststellung in diesem Kontext: Die historischen Zahlen zeigen, dass SPACS in der Regel unterperformen und kein gutes Investment darstellen. Natürlich gibt es Ausnahmen und Situationen, in denen ein sehr guter SPAC fusioniert mit einem sehr guten Unternehmen Erfolg haben kann. Die richtig guten Unternehmen schaffen ihren Börsengang aber auch so. Wir wollen ein richtig gutes Unternehmen sein.

Die Fragen stellte Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion.

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