BERLIN (dpa-AFX) - Der neue Vorsitzende der Eisenbahn-Verkehrsgewerkschaft (EVG), Torsten Westphal, hat wenige Tage nach seiner Wahl Bund und Deutsche Bahn für ein mangelndes Zukunftskonzept kritisiert. "Es muss Schluss sein, immer nur an einzelnen Themen, an einzelnen Symptomen herumzudoktern", sagte er am Mittwoch in Berlin. "Es ist an der Zeit, dass man an die strukturellen Probleme der Bahn rangeht." Dabei sei der Bund als Eigentümer gefordert, die Richtung vorzugeben und einen entsprechenden Rahmen zu schaffen.

Westphal war am Dienstag auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Fulda zum neuen EVG-Chef gewählt worden.

"Die Zeiten von Briefen und Ultimaten setzen, sind jetzt wirklich vorbei", sagte er nun mit Blick auf einen Brief von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an Bahn-Chef Richard Lutz. Darin hatte er diesem ein Ultimatum für diesen Donnerstag gesetzt, ein Konzept für die vielen Probleme der Bahn vorzulegen. Lutz verwies in seiner Antwort auf das Konzept "Starke Schiene", das viele der Punkte lösen soll.

Große Teile des Schienennetzes sind sanierungsbedürftig, noch immer gibt es zahlreiche Zugverspätungen. Für mehr Fahrgäste und ein besseres Angebot hatte der Bund der Bahn in den vergangenen Monaten deutlich mehr Geld in Aussicht gestellt.

Der EVG gehen die Vorschläge aber nicht weit genug. Sie fordern ein politisches Gesamtkonzept, das auch über das Jahr 2030 hinausgeht. Die Stimmung bei den Mitarbeitern sei schlecht. "Die haben die Nase bis oben hin gestrichen voll", sagte Westphal. "Die Krönung setzt der Bahn-Vorstand mit seinen Streitereien untereinander nochmal auf."

Im Vorstand und Aufsichtsrat gab es jüngst Diskussionen um den bisherigen Finanz- und Güterverkehrsvorstand Alexander Doll, der seinen Posten verlieren soll. Als seine Nachfolgerin für das Güterressort hatte der Aufsichtsrat die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, gewählt./maa/DP/zb