Während in Europa der Messebetrieb weitgehend auf virtuelle Veranstaltungen umgestellt wurde, fand vor wenigen Tagen im International Convention and Exhibition Center von Xi’an (Shaanxi, China) die 12. Ausgabe der dortigen Autoshow statt.

Eine Reihe von Herstellern nutzte die Gelegenheit, um ihre neuesten Elektromodelle zu zeigen. Dabei sind mir ein paar interessante Dinge aufgefallen, die Anlegern dabei helfen könnten, den chinesischen Markt besser zu verstehen.

Chinesische Autobauer suchen nach eigener Designsprache

Die chinesische Autoindustrie hat bereits viele Entwicklungsschritte hinter sich. Zunächst bauten sie alte deutsche Autos nach den Vorgaben von Volkswagen. Später wurden internationale Modelle schlecht kopiert. Im nächsten Schritt wurden vor einigen Jahren reihenweise europäische Designer angeworben, wodurch viele chinesische Marken optisch mit etablierten Herstellern gleichziehen konnten.

Damit wollen sich die Chinesen aber offenbar nicht mehr zufrieden geben. Bei BYD (WKN: A0M4W9) ist von „chinesischer Ästhetik“ und dem Anführen einer „neuen nationalen Welle“ die Rede. Man wolle nicht mehr der Definition westlicher Elemente folgen. Mit dem neuen BYD Han, der laut Hersteller bis zu 600 Kilometer durchhält, sollen die über die letzten Monate stagnierenden Absatzzahlen wieder anziehen. Schon bald soll das Auto auch in Norwegen zu einem Preis von rund 50.000 Euro angeboten werden, später auch in ganz Europa.

Gleichzeitig meldete das Unternehmen, dass die Produktion seiner neuen Lithium-Eisenphosphat-„Blade“-Batterien verachtfacht wird bis Ende des Jahres. Das Management gibt sich überzeugt, dass dieser Batterietyp den üblichen Lithiumzellen überlegen ist, und möchte gegenüber CATL und anderen Konkurrenten Marktanteile erobern. Wenn das gelingt, könnte die BYD-Aktie einen Schub bekommen.

Hygienefeatures sind groß im Kommen

Auch wenn China das Schlimmste der Pandemie längst hinter sich hat, wirken die Schrecken noch nach. Jedes Mittel, um die Ansteckungsgefahr zu senken, ist nun scheinbar hochwillkommen. Schon das Gefühl der Sicherheit dürfte für viele Konsumenten Gold wert sein. Genau das möchten mehrere lokale Hersteller vermitteln.

Die SAIC-Marke Roewe stattet ihren Ei5 zum Beispiel mit einem Sterilisationssystem aus, das mit Ultraviolettstrahlung arbeitet. Hinzu kommt ein Feinstaubfilter der Klasse PM2,5 und ein weiteres Reinigungssystem, das auf der Ionisierung der Luft beruht.

Konkurrent Geely (WKN: A1CS02) stattet die Klimaanlage des wuchtigen ICON mit einem Hochleistungs-N95-Filtersystem aus, zertifiziert vom TÜV Rheinland. Es sorgt bei Bedarf für einen Austausch der Innenluft alle 45 Sekunden. Das Lenkrad wiederum hat dort eine antibakterielle Oberfläche, die 99 % aller Mikroben eliminieren soll über einen Zeitraum von acht Jahren. Berichten zufolge bereitet die Schwestermarke VOLVO aktuell intensiv Geelys Markteintritt in Europa vor.

Volkswagen greift mit Klassikern in das Geschehen ein

Platzhirsch Volkswagen (WKN: 766403) darf auf einer solchen Veranstaltung natürlich auch nicht fehlen. Auf seinem zweiten Heimatmarkt zeigte das Unternehmen unter anderem den e-Lavida, der wie der Audi e-tron auf dem Konzernbaukasten MQB beruht. Der Lavida war jahrelang das meistverkaufte Automodell in China, bis er in diesem Jahr vom Nissan Sylphy zumindest temporär verdrängt wurde.

VW betont insbesondere die Zuverlässigkeit und Sicherheit der elektrischen Version, welche die chinesischen Standards deutlich übertreffen würden. Ingenieure der deutschen Volkswagen hätten mit SAIC Volkswagen eng kooperiert bei der Entwicklung. Mit einem Basispreis von 148.900 Yuan Renminbi (18.720 Euro) geht VW ziemlich aggressiv in den Markt. Die Batteriekapazität von 38 Kilowattstunden soll für 278 Kilometer ausreichen (NEFZ-Prüfzyklus).

Von FAW Volkswagen wiederum kommt der ähnlich dimensionierte e-Bora (270 km, NEFZ), der nach Subventionen für umgerechnet etwa 17.200 Euro zu haben ist. Auch der e-Golf mischt noch mit, bevor dann SAIC VW mit dem ID.3 in einigen Monaten eine neue Ära einläuten will.

Wer den Automobilmarkt verstehen will, muss China verstehen

Ein schönes Detail fand ich noch, dass Great Wall Motor, die mit BMW (WKN: 519000) den elektrischen Mini produziert, einen hippen Kleinstwagen bringt, der nach Leonhard Euler benannt ist. Euler aus Basel gilt für viele als der größte Mathematiker aller Zeiten. Er tritt nun gegen den vielleicht größten Elektroingenieur, Nikola Tesla, an. Jeder fängt mal klein an.

Insgesamt zeigen einige der oben dargestellten Entwicklungen, dass die chinesischen Hersteller hart daran arbeiten, den nächsten Entwicklungsschritt zu schaffen und Tesla (WKN: A1CX3T) die Stirn zu bieten. Kopieren und billiger machen mag weiterhin zum Repertoire gehören. Aber wir sollten auch damit rechnen, dass individuelle Mobilität schon bald völlig neu interpretiert wird, und das von Dutzenden von Marken.

Es wäre überraschend, wenn bei den vielen Experimenten nicht auch mal ein Volltreffer dabei wäre. Volkswagen und BMW werden bald mehr bieten müssen, als bewährte Konzepte ein bisschen aufzuhübschen und neu zu motorisieren.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf sinkende Tesla-Kurse. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla und empfiehlt BMW.

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Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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