Nikola Corp. (WKN: A2JQN0) meldet, dass der elektrische Pick-up-Truck in Kooperation mit General Motors (WKN: A1C9CM) gefertigt wird. Damit fällt die Wahl auf einen neuen Partner, der eine eigene Brennstoffzellen-Plattform einbringt. Da stellt sich die Frage, ob GM über eine überlegene Technologie verfügt. Vermutlich steckt jedoch ein anderes Kalkül dahinter.

Bisher war Bosch mit PowerCell-Technik in der Poleposition

Nikola ist bekannt für eine partnerschaftliche Herangehensweise. Während Tesla (WKN: A1CX3T) extrem viel Wert darauf legt, alle wichtigen Technologien und Fertigungsprozesse selbst zu beherrschen, überlässt Nikola einen großen Teil davon strategischen Partnern. So ist bei den Trucks IVECO für die Produktionstechnik und NEL (WKN: A0B733) für die Wasserstoffinfrastruktur zuständig. Viele innovative Fahrzeugtechnologien wiederum werden zusammen mit Bosch entwickelt.

Auch bei der Brennstoffzelle kooperiert Nikola seit Jahren mit Bosch, wobei die Stuttgarter wiederum auf lizenzierte Technik von PowerCell Sweden (WKN: A14TK6) setzen. In den schweren Lkws schien Bosch als Lieferant gesetzt. Schließlich sind die ersten Bestellungen bereits raus und 2022 soll die Serienfertigung starten.

Um schneller auf große Stückzahlen zu kommen, hätte es Bosch zudem sicherlich gerne gesehen, auch bei den leichten Nutzfahrzeugen zum Zuge zu kommen. Umso mehr, weil für den geplanten Pick-up ein großes Fertigungsvolumen vorgesehen ist. Doch das Nikola-Management um Trevor Milton hat offenbar andere Pläne.

Die Partnerschaft von Nikola und GM könnte einiges durcheinanderwirbeln

Am 8. September meldete das Unternehmen, dass General Motors bei Nikola als strategischer Investor einsteigen wird. Dabei geht es darum, dass GM den Nikola Badger fertigentwickeln und zur Marktreife führen wird. Im Gegenzug erhält GM 11 % der Aktien und darf im Anschluss als Auftragsfertiger agieren. In diesem Punkt ähnelt der Deal der IVECO-Partnerschaft, die ebenfalls von einer Kapitalbeteiligung unterfüttert wurde.

Doch es geht noch um mehr: GM wird auch die Batterie- und Brennstoffzellensysteme liefern, und zwar nicht nur für den Pick-up, sondern auch für schwere Trucks. Bosch und PowerCell sind also erst einmal raus. Bedeutet das möglicherweise, dass Nikola nicht völlig überzeugt von deren Technik ist? Oder warum konnte GM das Duo ausstechen? Diese Frage stellen sich sicherlich auch viele PowerCell-Eigner, deren Aktie zuletzt relativ schwach performte.

Mögliche Gründe, warum Nikolas Wahl auf GM fiel

Zunächst ist festzuhalten, dass die europäische Autoindustrie nicht besonders viel von Pick-ups versteht. Amerikaner (und Japaner) sind bei diesem Thema weit voraus. Schon allein deshalb ist es naheliegend, dass Nikola die Fühler zu einem einheimischen Autobauer ausstreckt. Hinzu kommt, dass GM bereits über eine ausgereifte Plattform namens SURUS verfügt, die ein integriertes Brennstoffzellen-Chassis für verschiedenste Aufbauten bereitstellt.

Neben Transportern und militärischen Fahrzeugen sind dafür auch Pick-ups vorgesehen. Das Konzept ähnelt dem Rolling Chassis von Benteler, Bosch und Pininfarina. Doch die Brennstoffzelle ist bereits drin und SURUS dürfte für höhere Belastungen ausgelegt sein. GM erhofft sich, dass auf das Badger-Projekt weitere Konzepte von Dritten folgen werden, die die Plattform nutzen.

Nikola wiederum spart durch den Deal Milliarden ein und kann gleichzeitig auf einen zweiten Lieferanten für Brennstoffzellentechnik zurückgreifen. Das umtriebige Unternehmen wird sicherlich schon bald das nächste Projekt in Angriff nehmen und dann ist es gut, mehrgleisig zu fahren, um sich in keine Abhängigkeiten zu begeben.

Auch die Motive von GM sind offensichtlich. Die Tochter Hydrotec forscht bereits seit 50 Jahren rund um die Brennstoffzelle, seit einigen Jahren auch zusammen mit Honda (WKN: 853226). Dennoch hat GM bisher außer einigen Prototypen wie dem Armeefahrzeug Chevrolet Colorado ZH2 von 2017 nur wenig vorzuweisen. Wenn sich die jahrzehntelangen Investitionen irgendwann lohnen sollen, dann muss jetzt die Serienfertigung vorbereitet werden. Sonst ist der Zug abgefahren angesichts der schnell expandierenden Konkurrenz.

Ein Votum gegen Bosch und PowerCell?

Es zeigt sich, dass sich die Interessen von Nikola und GM beim Badger optimal ergänzen. Eine Zusammenarbeit eröffnet für beide Seiten neue Perspektiven und bringt große finanzielle Vorteile. Dass die Brennstoffzellentechnik von GM Hydrotec jedoch derjenigen von PowerCell überlegen ist, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Sie hat einfach das Glück, dass sie in eine perfekt passende marktreife Plattform integriert ist.

Schon beim nächsten Projekt könnte folglich die Wahl wieder auf Bosch fallen. Dafür spricht auch, dass die exklusive Lieferbeziehung zu GM für schwere Lkws nur für außerhalb von Europa gilt. Beim in Ulm gefertigten Nikola Tre wird folglich auf jeden Fall PowerCell-Technik verbaut. Andernfalls hätte Bosch als Nikola-Aktionär vermutlich versucht, den GM-Deal zu verhindern.

Trotzdem ist festzustellen, dass Nikola für PowerCell und Bosch kein Selbstläufer ist, wie viele vielleicht gehofft hatten. Die Stückzahlen dürften sich zunächst in Grenzen halten. Nikola hingegen bewegt sich sehr schnell von einem milliardenschwer bewerteten Konzern ohne fertiges Produkt zu einem breit aufgestellten Fahrzeugbauer, der eine Reihe von starken Partnern an seiner Seite hat. Nikolas Stärke ist definitiv, komplementäre Fähigkeiten zusammenzuführen.

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Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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