Ob Nio, Xpeng, Geely, SAIC, Aiways, BYD oder Li Auto: chinesische E-Auto-Marken boomen. Doch sind die China-Stromer in Europa überhaupt konkurrenzfähig und wie können Anleger in chinesische E-Auto-Aktien investieren?

Chinas E-Autobauer expandieren zunehmend auch nach Europa und machen etablierten Autobauern Konkurrenz. So gibt es den Elektro-SUV 'U5' der chinesischen Marke Aiways bei der Elektronikkette Euronics, während der batterieelektrische 'MG ZS EV' des SAIC-Konzerns bei 25 deutschen Autohändlern erhältlich ist. Und: Das börsennotierte chinesische Elektroauto-Start-up Nio – manchmal auch 'Chinas Tesla' genannt – startet sein Europa-Geschäft direkt im europäischen E-Auto-Eldorado Norwegen.

Von der 'billig Reisschüssel' zum Tesla-Killer?

Floppten chinesische Autos in der Vergangenheit in Europa häufig kläglich und fielen reihenweise durch Crashtests, glänzen heute viele chinesische Autobauer mit Qualität, Hightech und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. So ist selbst der ADAC positiv vom elektrischen China-SUV 'MG ZS EV' des börsennotierten SAIC-Konzerns überrascht: „An diesem Fahrzeug merkt man sehr deutlich: Die chinesischen Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht“, schrieben die ADAC-Autotester vergangene Woche.

Auch beim chinesischen Stromer Aiways U5 ziehen die ADAC-Tester ein überraschend positives Fazit: „Abgesehen von einigen Schwächen im Detail beweist der Aiways U5, dass Autos, die in China gebaut werden, schon lange nicht mehr billig im Sinne von 'qualitativ minderwertig' sein müssen. Im Gegenteil, gerade verarbeitungstechnisch zeigt der Aiways eine gute Qualität.“

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, sieht ebenfalls einen Qualitätssprung bei vielen China-Autos. Im Gespräch mit wallstreet:online erklärte er: „die Chinesen kommen nach Europa und zwar mit High-Tech, Elektro und Qualität“. Und weiter: „Das was die Koreaner vor 20 Jahren waren, sind die Chinesen heute. In 10 Jahren werden wir Chinesen wie heute Koreaner oder Japaner einschätzen.“

China-Autos nichts für Deutsche?

Doch sind deutsche Kunden überhaupt bereit ein chinesisches Auto zu kaufen? Fast ein Drittel (27 Prozent) kann sich dies offenbar vorstellen. Das ergab jüngst eine von der WirtschaftsWoche bei YouGov in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Allerdings schließen 33 Prozent der Befragten den Kauf eines China-Autos kategorisch aus und weitere 25 Prozent sind eher ablehnend.

Doch insbesondere jüngere Käufergruppen scheinen offener für chinesische Automarken zu sein. So können sich immerhin 38 Prozent der Befragten 18- bis 24-Jährigen vorstellen ein China-Auto zu kaufen. Zum Vergleich: Bei den über 55-Jährigen sind es nur 24 Prozent.

Deshalb ist es in Zukunft vorstellbar, dass chinesische E-Autobauer auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Auf dem Smartphone-Markt ist mit den chinesischen Marken Huawei, Xiaomi, Oppo und Vivo Ähnliches bereits geschehen.

Investments in chinesische E-Auto-Aktien

Viele der chinesischen E-Autobauer wie NIO, SAIC, Geely, BYD, Li Auto, BAIC oder Great Wall sind börsennotiert. Für Anleger bedeuten die chinesischen Elektroautoaktien hohe Rendite-Chancen, aber auch hohe Risiken. Sascha Mohaupt, Chefanalyst bei der GeVestor Financial Publishing Group, rät Anlegern deshalb chinesische E-Auto-Aktien „grundsätzlich nur als spekulative Depot-Beimischung in Betracht zu ziehen.“

Außerdem ist der Kauf von China-Aktien für deutsche Kleinanleger oftmals gar nicht so einfach möglich, denn am chinesischen Aktienmarkt gibt es verschiedene Aktienarten. Und nicht alle Aktiengattungen sind Kleinanlegern zugänglich. Grundsätzlich unterscheidet man bei China-Aktien zwischen dem Onshore- und dem Offshore-Segment. Zum Onshore-Segment zählen A- und B-Aktien. Zum Offshore-Segment gehören unter anderem N- und H-Aktien.

A-Aktien sind in Renminbi notiert, und zwar an den Börsen in Schanghai oder Schenzhen. Nicht-chinesische Anleger dürfen nur in A-Aktien investieren, wenn sie zu den ausgewählten institutionellen Investoren zählen. Ein Beispiel für eine A-Aktie aus dem Sektor der chinesischen E-Autobauer wäre die SAIC Motor-Aktie (ISIN: CNE000000TY6).

Anders verhält es sich bei B-Aktien: Diese werden in ausländischen Währungen wie dem US-Dollar gehandelt und notieren ebenfalls in Schanghai oder Schenzhen. B-Aktien sind grundsätzlich nur Ausländern und im Ausland lebenden Chinesen zugänglich.

N-Aktien sind für nicht-chinesische Kleinanleger am relevantesten. Denn es handelt es sich dabei um chinesische Aktien, welche in New York beispielsweise an der NASDAQ gelistet sind. Oftmals werden N-Aktien auch als sogenannte ADRs (American Depository Receipt) gehandelt.

ADRs sind Zertifikate, die von US-amerikanischen Banken ausgegeben werden. Die jeweiligen Banken haben die zugrundenliegende chinesischen Aktie dabei in Verwahrung genommen. Beispiele für ADRs aus dem chinesischen E-Autosektor wären Nio (ISIN: US62914V1061), BYD (ISIN: US05606L1008), Geely (ISIN: US36847Q1031) oder Li Auto (ISIN: US50202M1027). Für Anleger ist es wichtig zu wissen, dass ADRs letztlich keine Aktien und damit Sachwerte sind, sondern Finanzprodukte mit einem Emittentenrisiko. Geht die emittierende Bank Konkurs, kann der ADR wertlos werden.

Eine weitere wichtige Gattung von chinesischen Aktien sind H-Aktien. Dabei handelt es sich um chinesische Aktien, die an der Hong Kong Stock Exchange in Honkong Dollar gelistet sind. H-Aktien können oftmals auch von ausländischen Kleinanlegern gekauft werden. Ein Beispiel für eine H-Aktien aus dem Bereich der chinesischen E-Auto-Aktien wäre die BAIC Motor-Aktie (ISIN: CNE100001TJ).

Autor: Ferdinand Hammer; wallstreet:online Zentralredaktion

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