FRANKFURT (dpa-AFX) - Der finnische Telekom-Ausrüster Nokia <FI0009000681> rechnet sich im Rennen um das Geschäft mit dem neuesten Mobilfunkstandard 5G einige Chancen aus. Mit Softbank als Auftraggeber für ein entsprechendes Mobilfunknetz in Japan hat das Unternehmen zuletzt einen dicken Fisch an Land gezogen. Das hebt die Stimmung zumindest ein bisschen, nachdem Nokia seine Anleger im ersten Quartal mit einem unerwarteten Verlust geschockt hatte. Beobachter sind daher zum großen Teil zuversichtlich. Wie es um den Konzern steht, was Analysten sagen und wie es für die Aktie läuft:

DAS IST LOS BEI NOKIA:

Eigentlich hätte im ersten Quartal diesen Jahres beim operativen Ergebnis laut Analystenschätzungen ein Plus stehen sollen. Stattdessen klaffte bei Nokia hier aber eine Lücke von rund 60 Millionen Euro. Das Problem: Sinkende Margen im heiß umkämpften Geschäft mit der Netzwerkausrüstung. In der Hoffnung auf lukrative 5G-Anschlussaufträge drücken derzeit alle Anbieter ihre Produkte zu niedrigen Preisen in den Markt. Nokia-Chef Rajeev Suri bezeichnete das Verhalten seiner Wettbewerber in den ersten Phasen des 5G-Starts selbst als "wirtschaftlich aggressiv".

Daneben muss sich Nokia noch um einige andere Baustellen kümmern. Ende März sorgte eine Passage im Jahresbericht des Unternehmens für Unruhe unter den Anlegern: Im Risikoteil war von möglichen Rechtsverstößen im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Zukauf von Alcatel-Lucent die Rede. Bei der neuen Tochter habe es in der Vergangenheit Verstöße gegen Anti-Korruptions-Gesetze gegeben, was unter anderem in den USA zu diversen Geldstrafen geführt habe.

Die Vorgänge würden intern untersucht, hieß es, relevante Aufsichtsbehörden seien informiert. Kurz nach der Bekanntgabe sah sich Nokia wegen der negativen Aktienkursreaktion gezwungen, eine Mitteilung hinterherzuschieben, die die Sorge der Anleger dämpfen sollte. Man erwarte keine erheblichen Auswirkungen auf den Konzern, erklärte das Unternehmen.

Hinzu kommt für Nokia noch ein Rechtsstreit mit Daimler, in dem es um die Nutzung von Mobilfunk-Patenten geht. Dabei verklagt Nokia den Autobauer, weil der sich nach Ansicht der Finnen weigert, eine Lizenz für patentierte Technologien zu erwerben, die er aber schon nutze. Daimler selbst legte wiederum bei der EU-Kommission Beschwerde gegen das Gebaren der Finnen ein.

Die Frage, wie mit Mobilfunk-Patenten in der Autobranche umzugehen ist, ist für beide Seiten nicht unerheblich. Gerade mit Blick auf die Zukunft des autonomen Fahrens und die Einführung von 5G dürfte sie immer häufiger gestellt werden. Generell verspricht sich Nokia einiges von der Einführung der neuen Mobilfunkgeneration, die nach Angaben des Unternehmens hauptsächlich im zweiten Halbjahr beginnen dürfte. Entsprechend hält Firmenchef Suri an den Jahreszielen fest und rechnet mit zunächst kleinen Verbesserungen im zweiten Quartal und deutlichen dann in der zweiten Jahreshälfte.

Tatsächlich kann Nokia in Bezug auf 5G derzeit einige Punkte auf der Haben-Seite verbuchen. Unter anderem wurden die Finnen zuletzt vom japanischen Tech-Investor und Mobilfunker Softbank <JP3436100006> gemeinsam mit dem schwedischen Konkurrenten Ericsson <SE0000108649> als Hauptpartner für die Errichtung eines 5G-Netzes in Japan ausgewählt. Insgesamt kommt Nokia damit aktuell auf 42 kommerzielle 5G-Aufträge, das sind doppelt so viele wie bei den Schweden. Dem chinesischen Wettbewerber Huawei, den die USA wegen Spionagevorwürfen auf eine schwarze Liste gesetzt haben, kann laut dem US-Sender "CNN" ebenfalls 42 Aufträge verbuchen.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die überwiegende Mehrheit der im laufenden Jahr im dpa-AFX Analyser erfassten Branchenexperten traut der Nokia-Aktie trotz des schwachen Jahresstarts noch Luft nach oben zu und beruft sich dabei vorwiegend auf die Aussichten für das zweite Halbjahr. Sechs Analysten raten daher zum Kauf, nur einer würde die Papiere eher verkaufen - nämlich Alexander Duval von Goldman Sachs, der langfristig nur begrenztes Wachstum bei Nokia sieht. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von 5,60 Euro liegt die Gesamt-Prognose dennoch knapp 30 Prozent über dem aktuellen Kurs.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Den Kursrutsch Ende April, ausgelöst durch den unerwarteten Quartalsverlust, hat die Aktie noch nicht ganz verdaut. Immerhin hatten die Nokia-Papiere seit Januar bis zu dem Zeitpunkt ein kleines Plus von rund drei Prozent einfahren können - nun beläuft sich das Minus seit Jahresbeginn auf rund zwölf Prozent./kro/knd/men/mis