SEOUL (dpa-AFX) - Nordkorea hat nach einer neuen Propaganda-Aktion südkoreanischer Aktivisten an der Grenze den Ton gegenüber seinem Nachbarland verschärft. Die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, beschuldigte die südkoreanische Regierung am Sonntag, eine gegen Nordkorea gerichtete Flugblattaktion zugelassen zu haben. Sie drohte mit Gegenmaßnahmen. "Wir können nicht länger ein Zuschauer bleiben", wurde sie von den Staatsmedien zitiert.

Die Gruppe Fighters for a Free North Korea (Kämpfer für ein freies Nordkorea) aus Südkorea hatte am Freitag erklärt, trotz eines neuen Verbots Gasballons mit einer halben Million Flugblättern nach Nordkorea geschickt zu haben, die Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang enthielten. Die Gruppe wird von einem nordkoreanischen Flüchtling angeführt.

Kim Yo Jong bezeichnete die Aktion eine "nicht tolerierbare Provokation". Nordkorea werde "entsprechende Aktionen prüfen", um darauf zu regieren. Die Verantwortung dafür werde bei Seoul liegen.

Im vergangenen Jahr hatte die international isolierte Führung in Pjöngjang nach einer solchen Aktion die Kommunikationsleitungen zwischen beiden Ländern gekappt und ein Verbindungsbüro an der Grenze gesprengt.

Südkoreas Vereinigungsministerium bestätigte die Angaben der Gruppe bisher nicht. Es wäre die erste solche Aktion, seit Ende März eine Gesetzesänderung in Kraft trat, wonach das Versenden von Flugblättern und anderer Dinge an der militärischen Demarkationslinie zwischen beiden Ländern verboten ist. Südkoreas Regierung begründet das Verbot damit, dass sich beide Länder geeinigt hätten, auf gegenseitige Verleumdungen und Flugblattaktionen an der Grenze zu verzichten./dg/DP/he