Der Grafikchiphersteller NVIDIA (WKN:918422) hat sich am Montag bereit erklärt, 6,9 Mrd. US-Dollar in bar für Mellanox (WKN:A0MK4E) zu zahlen, einen Anbieter von Verbindungslösungen für Rechenzentren. NVIDIA soll sowohl Intel als auch Xilinx überboten haben, obwohl keines der beiden Unternehmen bestätigte, dass es am Wettbieten teilgenommen hat.

Dieser Deal kommt zu einer Zeit, in der NVIDIA mit einem doppelten Problem konfrontiert ist, das seine beiden größten Segmente entgleisen lässt. Im Spielemarkt hat der Absturz der Kryptowährungskurse die Nachfrage reduziert, was zu überhöhten Lagerbeständen und der Frage geführt hat, ob sich die Nachfrage letztlich stabilisieren wird. Im Rechenzentrumsmarkt hat die schwächere Nachfrage von Cloud- und Großkunden das ungebremste Wachstum des inzwischen 3 Mrd. US-Dollar schweren Jahresgeschäfts von NVIDIA beendet und GPU-Alternativen könnten langfristig zu Problemen führen.

Der Gesamtumsatz von NVIDIA sank im vierten Quartal des vergangenen Jahres um 24 % gegenüber dem Vorjahr und die Prognose geht von einem Rückgang um 31 % im ersten Quartal des aktuellen Jahres aus. Der Mellanox-Deal ist teuer, aber er wird dem Rechenzentrumssegment von NVIDIA einen Schub geben, der dazu beitragen sollte, das Unternehmen im nächsten Jahr wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Sofortige Bezahlung

NVIDIA wird 125 US-Dollar für jede ausstehende Aktie von Mellanox zahlen, was einem Unternehmenswert von rund 6,9 Mrd. US-Dollar entspricht. Die Transaktion erfordert keine Schulden, da die solide Bilanz von NVIDIA genügend Barmittel zur Finanzierung der Übernahme bereitstellt. NVIDIA verfügte am Ende des Geschäftsjahres 2019, das im Januar endete, über 7,4 Mrd. US-Dollar an liquiden Mitteln und marktgängigen Wertpapieren.

Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2019 erwartet, was NVIDIA Zeit geben wird, zusätzliche Liquidität zu generieren. NVIDIA erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen freien Cashflow von über 3 Mrd. US-Dollar, aber dieser Wert könnte in diesem Jahr sinken, da die Nachfrage schwach ist. Dennoch sollte es ausreichen, das bereits angekündigte Kapitalrückführungsprogramm von NVIDIA für das Geschäftsjahr 2020 zu finanzieren. Das Unternehmen wird an seinem Plan festhalten, in diesem Jahr 2,3 Mrd. US-Dollar durch Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurückzugeben.

Sobald die Transaktion abgeschlossen ist, erwartet NVIDIA, dass der Zusammenschluss zu einer unmittelbaren Verbesserung der Nicht-GAAP-Bruttomarge, des Nicht-GAAP-Gewinns pro Aktie und des freien Cashflows führt. Mellanox ist ein profitables Unternehmen, das 2018 bei einem Umsatz von 1,09 Mrd. US-Dollar einen Nettogewinn von 134 Mio. US-Dollar und einen freien Cashflow von 228 Mio. US-Dollar erzielt hat. Die Nicht-GAAP-Bruttomarge von Mellanox von 69 % im vergangenen Jahr übertraf die Nicht-GAAP-Marge von NVIDIA von rund 62 %.

NVIDIA zahlt sicherlich einen hohen Preis. Mit 6,9 Mrd. US-Dollar bewertet dieser Deal Mellanox mit dem fast 6,5-fachen Umsatz, mehr als dem 50-fachen Gewinn und mehr als dem 30-fachen freien Cashflow. Mellanox ist ein wachsendes Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 26 % im Jahr 2018 und NVIDIA könnte dieses Wachstum beschleunigen, sobald das Unternehmen Teil seines Rechenzentrumsgeschäfts ist. Aber auch bei großen Übernahmen kommt es vor, dass sie hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Eine große Wette auf den Rechenzentrumsmarkt

NVIDIA hat seine GPUs sehr erfolgreich an Rechenzentren verkauft und sie als Beschleuniger für rechenintensive Aufgaben etwa für künstliche Intelligenz eingesetzt. Aber diese ultraschnellen Prozessoren müssen auch dann schnell genug mit Daten versorgt werden, wenn die Workloads viele Knoten umfassen. An dieser Stelle kommt die Verbindungstechnologie von Mellanox ins Spiel.

„Rechenzentren werden in Zukunft als riesige Rechenmaschinen mit Zehntausenden von Rechenknoten konzipiert sein, die ganzheitlich mit ihren Verbindungen für optimale Leistung ausgelegt sind“, sagte NVIDIA in der Pressemitteilung, in der der Deal angekündigt wurde. „Mit Mellanox wird NVIDIA die Workloads im Rechenzentrumsbereich über den gesamten Computer-, Netzwerk- und Speicherbestand hinweg optimieren, um eine höhere Leistung, eine höhere Auslastung und niedrigere Betriebskosten für die Kunden zu erreichen.“

Der Deal ist strategisch bedeutend und NVIDIA hindert hiermit einen Konkurrenten wie Intel daran, Mellanox für sich zu gewinnen. Dieses Jahr wird für NVIDIA hart werden und die Einnahmen werden höchstwahrscheinlich sinken. Aber die Eingliederung von Mellanox in das Rechenzentrumssegment im nächsten Jahr sollte dazu beitragen, das Wachstum in einem Bereich wieder anzukurbeln, der für den Grafikchiphersteller zu einem sehr wichtigen Geschäft geworden ist.

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Dieser Artikel wurde von Timothy Green auf Englisch verfasst und am 11.03.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Nvidia und empfiehlt sie weiter.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Motley Fool beitragende Investmentanalysten