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Ökonomen-Stimmen zur EZB-Zinssitzung

16:18 Uhr 14.12.2017

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag ihre Zinsen nicht angetastet und ihre Geldpolitik bestätigt.

Eine Auswahl von Expertenmeinungen:

Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter LBBW Research:

"So langsam könnte sich der EZB-Rat indes nach der Sinnhaftigkeit seiner Maßnahmen mit dem Dreiklang Assetkäufe, Nullzinspolitik und Liquiditätsschwemme fragen. Immerhin läuft die EZB zunehmend Gefahr, mit ihrer Geldpolitik die Basis für Übertreibungen an den Finanzmärkten zu legen. Das unveränderte Wording der EZB lässt allerdings derzeit nur den Schluss zu, dass die EZB bis September 2018 an ihren Anleihekäufen festhalten wird und erst geraume Zeit danach, sprich: frühestens 2019, eine Zinserhöhung vornehmen dürfte."

Jan Holthusen, Leiter Zins- und Anleiheresearch DZ BANK:

"Die Botschaft, die Draghi aussendet, ist klar: Ein Wachstum von deutlich über zwei Prozent bei einer Inflation, die um die Marke von 1,5 Prozent pendelt, ist anscheinend nicht genug, um die Geldpolitik wirklich zu straffen. Diese Erkenntnis mag gerade in Deutschland ernüchternd sein. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Zeitpunkt für eine zumindest leichte Straffung der Geldpolitik gekommen?"

Ralf Umlauf, Landesbank Hessen-Thüringen:

"Nennenswerte Veränderungen im Vergleich zur letzten EZB-Ratssitzung Ende Oktober gibt es nicht. Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik wird sehr vorsichtig vollzogen, was an der unveränderten Forward Guidance erkennbar ist. So wird eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2018 hinaus nicht ausgeschlossen und die EZB hält an der Möglichkeit einer Aufstockung fest, wenngleich wir davon ausgehen, dass diese Option aufgrund der guten Wachstumsperspektiven und der verbesserten Arbeitsmarktlage sowie der Erwartung eines trendmäßigen Anstiegs der Kernteuerung nicht genutzt wird."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank:

"Fakt ist aber, dass die EZB konsistent bleiben muss. Ein vollständiger Stopp der Anleihekäufe kommt nicht in Frage, solange die Inflationsrate nicht in der Nähe der EZB-Ziele ist. Ein anderes Vorgehen würde bedeuten, dass Mario Draghi die Flinte ins Korn wirft. Da von einem raschen Anziehen der Teuerungsraten nicht auszugehen ist, werden die Frankfurter Währungshüter noch lange sehr expansiv bleiben. Eine Zinserhöhung wird nicht vor dem Jahr 2019 auf der Agenda stehen."

Julien-Pierre Nouen, Chef-Wirtschaftsstratege bei Lazard Frères Gestion:

"Darüber, wie die EZB den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm ab September kommenden Jahres handhaben will, wurden keine weiteren Details bekanntgegeben. Vermutlich möchte sich Mario Draghi hier noch Freiräume offen halten. Einige Ratsmitglieder hatten verlauten lassen, dass die EZB im Hinblick auf das Ende des Programms zur Quantitativen Lockerung ausgewogener sein sollte. Draghi jedoch könnte sich durch die jüngsten Inflationszahlen bestätigt fühlen. Diese waren eher schwach, trotz des sehr starken Wachstumsausblicks."

Christian Lips, Analyst bei der NordLB:

"Wie erwartet hat die EZB auf ihrer heutigen Sitzung ihren geldpolitischen Kurs bestätigt. Interessant sind die neuen Projektionen der EZB: Zwar wurden die Wachstumsprognosen teils erheblich angehoben, die Preisentwicklung wird dennoch sehr flach prognostiziert. Selbst im Jahr 2020 erwartet die EZB lediglich eine Inflation von 1,7 Prozent. Mario Draghi sieht daher einen 'umfangreichen Stimulus' weiter als notwendig an. Dieser dovishe Grundton belastete den Euro. Eine erste Zinserhöhung ist weiter erst Mitte 2019 realistisch. Die EZB wird an ihrer vorsichtigen Vorgehensweise festhalten wollen. Hierbei muss sie aber aufpassen, nicht hinter die Kurve zu geraten, da genau dies am Ende die befürchteten Marktverwerfungen auslösen könnte."/jsl/jkr/zb

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