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Ökonomen über die EZB - 'Draghi musste einen Spagat machen'

16:47 Uhr 26.04.2018

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag ihren geldpolitischen Kurs unverändert fortgesetzt. Die Leitzinsen bleiben auf ihren Rekordtiefs und die milliardenschweren Anleihekäufe werden noch mindestens bis September fortgesetzt. EZB-Präsident Mario Draghi sieht Hinweise auf eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums im Euroraum. Die Entwicklung sei aber solide. Das sagen Ökonomen zu den Entscheidungen:

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank:

"Die EZB listet inzwischen in ihrem Statement nur Abwärtsrisiken bezüglich des Wachstums auf, explizit diejenigen in Verbindung mit 'globalen Faktoren, einschließlich der Gefahr eines zunehmenden Protektionismus'. Man kann das als einen verkleideten Schwenk in der Risikobewertung sehen. In die gleiche Richtung ging, dass die EZB den ökonomischen Aufschwung als 'solide' bezeichnet hat, nachdem sie im März-Statement noch das stärkere Etikett 'stark' verwendet hatte."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank LBBW:

"Bemerkenswert war sicherlich, dass der EZB-Rat sich Sorgen über zunehmenden Protektionismus macht. Aber mehr als Appelle an die Politik stehen der EZB hier nicht zu Gebote. Im Juni dürfte es dann für die Märkte wieder interessanter werden. Mit einer wesentlichen Änderung rechnen wir aber erst im Juli, wenn der EZB-Rat seinen finalen Ausstieg aus den Netto-Wertpapierkäufen skizzieren dürfte."

Jan Holthusen, Experte bei der DZ Bank:

"Draghi musste heute einen Spagat machen. Einerseits wollte er die jüngste Abschwächung der Konjunkturdynamik nicht überdramatisiert wissen, andererseits sollten heute auch noch keine Erwartungen über bevorstehende Zinserhöhungen geschürt werden. Dieser Spagat ist Draghi recht gut gelungen. () Draghi hat geliefert, was zu erwarten war - wenig Neues, wenig Konkretes und schon gar nicht eine Diskussion über eine Normalisierung der Geldpolitik. Am 14. Juni wird er konkreter werden müssen."

Christian Lips, Experte bei der Landesbank Nord/LB:

"Draghi gab keine weiteren Hinweise auf eventuell bereits für eine der nächsten Sitzungen konkret geplante Schritte auf dem Weg hin zu einer neutraleren Ausrichtung der Geldpolitik. (...) Eindeutig widersprach er der Spekulation, die EZB habe bereits ein heimliches Tapering bei Unternehmensanleihen begonnen. (...) Insgesamt bemühte sich der EZB-Präsident auffällig, die zuletzt auch öffentlich stärker diskutierten Wachstumssorgen herunterzuspielen."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank Ing Diba:

"Aus unserer Sicht sollte die nächste Zinssitzung im Juni, die in Riga stattfinden wird, einige Hinweise auf den künftigen Verlauf des Wertpapierkaufprogramms bringen. Angesichts der aktuellen Vorsicht und Zurückhaltung wäre alles andere als eine Verlängerung über September hinaus eine große Überraschung. Die zwei Hauptfragen für jede Vorausplanung sollten sein, ob es eine Verlängerung um drei oder sechs Monate geben wird und ob es ein Enddatum für die Verlängerung geben wird oder nicht. Allerdings müssen die Entscheidungen nicht unbedingt bereits im Juni fallen."/tos/js/he

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