TOKIO (dpa-AFX) - Notizen von den Olympischen Spielen in Tokio

LIVE AUS DEM BETT: Die beiden deutschen Speerwerfer Johannes Vetter und Julian Weber haben eine Video-Pressekonferenz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes im Trainingslager in Miyazaki aus ungewohnter Position bestritten. "Ich liege ganz entspannt im Bett, das ist meine entspannteste Pk ever", sagte Olympia-Favorit Vetter. "Ich muss mich erstmal entschuldigen. Ich bin erst vor fünf Minuten aufgewacht, bin dem Jetlag zum Opfer gefallen", so Weber ebenfalls aus dem Bett.

SIEGERPOSE: Das Gardemaß eines Schwimmers hatte der Mann mit Baseballkappe und grauem T-Shirt zwar nicht ganz, aber er gab sich trotzdem alle Mühe, einen jubelnden Medaillengewinner auf dem Podest im Tokyo Aquatics Centre zu simulieren. Für die Fotografen und Kameraleute reckte er die Arme in die Luft, so dass die Journalisten sich darauf vorbereiten konnten und ihre Ausrüstung für den Moment einstellen, bei dem dann wirklich ein Olympiasieger für den Rest der Welt eingefangen werden muss.

GESCHLECHTERKAMPF: Die deutsche Dressurreiter-Equipe wird bei den Tokio-Spielen von Jessica von Bredow-Werndl, Isabell Werth und Dorothee Schneider bei den Sommerspielen in Tokio vertreten - und damit von drei Frauen. Für die siebenmalige Olympiasiegerin Werth ist dies nicht das Ergebnis einer wirkungsvollen Emanzipation. "Am Ende des Tages machen die Männer nicht mehr oder weniger falsch als die Frauen", sagte die 52-Jährige. "Wir sind nun mal auf Gedeih und Verderb mit unserem Pferd verbunden." Es sei eben entscheidend, das passende Pferd mit Männlein oder Weiblein zusammenzubringen. Werth: "Ich sehe dem Geschlechterkampf deshalb sehr gelassen entgegen."

EDELMETALL: Nach 14 Teilnahmen ohne Edelmetall hat San Marino die erste Medaille seiner Olympia-Historie bejubelt. Alessandra Perilli schoss sich im Trap der Damen am Donnerstag in Tokio zu Bronze. "Keine Ahnung, was jetzt daheim abgeht", sagte die 32-Jährige der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Ob ich eine Heldin bin? Jetzt übertreibt mal nicht", ergänzte die erfahrenste Sportlerin der nur zwei Athletinnen und drei Athleten großen Delegation aus San Marino.

WIEDERERKENNUNGSWERT: Wenn man zum zweiten Mal Olympische Spiele bestreitet, dann weiß man schon besser, was auf einen wartet. Tischtennisspielerin Han Ying zum Beispiel war schon 2016 in Rio de Janeiro dabei. In Tokio schied die Deutsche nun wieder im Viertelfinale aus. "Vor fünf Jahren war es neu für mich", erzählte die 38-Jährige. Sie habe damals ein Gefühl gehabt, das sie zuvor noch nie gehabt habe. Für Tokio wusste sie schon, was auf sie zukommt. Für Han Ying als Abwehrspezialistin ist der Wiedererkennungswert unter Kontrahentinnen aber auch ein Problem. "Natürlich ist es für mich auch schwieriger, denn die kennen mich auch besser", sagte sie. Egal. Han Ying will nun im Teamwettbewerb überraschen.

ZELTDACH: Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen auf mehr als 30 Grad. Da sucht man in Tokio gerne einen Schattenplatz. Vor allem wenn man auf einen Bus zur nächsten Wettkampfstätte warten muss. Um Journalisten und Helfer vor der direkten Sonneneinstrahlung zu bewahren, sind zum Beispiel am Ariake Urban Sports Park, wo BMX und Skateboard stattfindet, zu den Seiten offene Zelte aufgestellt. Die spenden Schatten und lassen auch Luftzüge durchrauschen. In Stoßzeiten sind die Plätze unter dem Zeltdach aber sehr begehrt. Da kann es auch sehr eng werden.

GLÜCKSJÄGER: Tischtennis zieht - und wie! Vor allem wenn bei den Olympischen Spielen in Tokio die Nationen China, Japan und Singapur vertreten sind. Für die Medaillenspiele bei den Frauen im Tokyo Metropolitan Gymnasium war der Andrang unter Journalisten für Sitzplätze auf der Pressetribüne so groß, dass gelost werden musste. Vorab musste man aus einer Schachtel Zettel ziehen, deren Nummer später Aufschluss über einen der begehrten Plätze gab. Wer nicht zu den Glücklichen gehörte, konnte die beiden Partien um Gold und Bronze aber an mehreren Bildschirmen im Pressezentrum verfolgen.

ALTERSUNTERSCHIED: 40 Jahre liegen zwischen dem ältesten Reiter und der jüngsten Teilnehmerin in der olympischen Vielseitigkeit. Der Australier Andrew Hoy ist 62 Jahre alt und absolviert in Tokio seine achten Spiele. Lea Siegl könnte die Enkelin des dreimaligen Olympiasiegers sein - die Östereicherin ist 22 Jahre jung.

AUSNAHME: Selbst Olympiasieger genießen in manchen Bereichen der Beachvolleyball-Anlage in Tokio keinen Sonderstatus. Das musste nun London-Sieger Julius Brink erfahren, als er nach dem Spiel von Julia Sude und Karla Borger in dem für Print-Journalisten vorgesehenen Teil der Mixed Zone auftauchte. Sofort kam einer der Verantwortlichen und schickte ihn nach einem Blick auf die Akkreditierung in den Bereich für die TV-Sender. Brink ist in Tokio als Experte der ARD im Einsatz./ujo/DP/zb