MINSK (dpa-AFX) - Die Gegner von Präsident Alexander Lukaschenko in Belarus (Weißrussland) können sich auch eine Vermittler-Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Machtkampf in der Ex-Sowjetrepublik vorstellen. "Natürlich begrüßen wir jeden Versuch, einen Dialog in der Zivilgesellschaft zu organisieren", sagte die Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa vom Koordinierungsrat der Deutschen Presse-Agentur in Minsk.

"Mir ist bisher nicht klar, worauf Merkel und Putin bestehen", sagte Kolesnikowa mit Blick auf ein Telefonat Merkels mit Kremlchef Wladimir Putin zur Lage in Belarus vor einigen Tagen. "Aber beliebige positive Schritte, die dabei helfen, uns zu vereinen, sind sehr willkommen." Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vermitteln auch im Ukraine-Konflikt zwischen Moskau und Kiew.

Die früher viele Jahre in Stuttgart tätige Kulturmanagerin äußerte sich zurückhaltend zu Sanktionen der EU gegen Belarus oder einzelne Vertreter des Machtapparats. "Wir müssen erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Deshalb ist meine Haltung, was Sanktionen angeht, etwas abgekühlt", erklärte sie. Die EU-Außenminister hatten die Sanktionen vergangene Woche auf den Weg gebracht. "Ich kann nicht einerseits Dialog und einen friedlichen Machttransfer fordern und auf der anderen Seite für Strafmaßnahmen eintreten gegen die Menschen, mit denen ich reden will."

Zum EU-Gipfel am Mittwoch betonte sie aber, dass eine klare und entschlossene Reaktion der EU nötig sei. "Für uns ist Swetlana Tichanowskaja die Siegerin der Präsidentenwahl. Das ist glasklar", betonte sie. Die 37-jährige Tichanowskaja hat aus ihrem unfreiwilligen Exil in Litauen die EU-Spitzen dazu aufgerufen, die "betrügerische Wahl nicht anzuerkennen"./mau/DP/stw