Ausweg, Kommentar zur Weltwirtschaft von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) - Satte 6 Prozent globales Wachstum prognostiziert der

Internationale Währungsfonds (IWF) für dieses Jahr, und noch einmal rund 4,5

Prozent für 2022. Natürlich gehört zur ganzen Wahrheit, dass die meisten

Volkswirtschaften nach dem coronabedingten Rekordeinbruch erst 2022 oder sogar

erst 2023 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen werden. Trotzdem wird tatsächlich

der Ausweg aus dieser beispiellosen Gesundheits- und Wirtschaftskrise zunehmend

sichtbar, wie IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath sagt. Dann muss aber auch der

Ausweg aus den beispiellosen Hilfen der Staaten und Zentralbanken zunehmend

sichtbarer werden - auch, um eine künftige abrupte und gefährliche Kehrtwende zu

vermeiden.

Aktuell sind es vor allem China und die USA, die als Konjunkturlokomotiven die

Weltwirtschaft mitziehen - im Fall der USA befeuert von Fiskalhilfen, die teils

sogar zu viel des Guten sind. Aber selbst für Euroland stehen trotz Impfdebakels

und neuerlicher Lockdowns die Zeichen auf wirtschaftliche Erholung - spätestens

im zweiten Halbjahr. Natürlich ist die Unsicherheit weiter extrem groß und es

ist ein Wettrennen zwischen Virus und Impfungen. Rückschläge sind sicher nicht

auszuschließen. Für Schwarzmalerei und Defätismus besteht aber aktuell kein

Grund.

Die verbesserte Wirtschaftslage muss aber auch Implikationen für die

Wirtschaftspolitik haben: Wo 2020 die weltweite "What­ever it takes"-Mentalität

in weiten Teilen absolut angemessen war, braucht es nun im ersten Schritt sehr

viel gezieltere Hilfen für Unternehmen und Haushalte. Dabei müssen viel stärker

kleine und mittlere Unternehmen im Fokus stehen. In einem zweiten Schritt muss

es dann aber auch darum gehen, die Hilfen allmählich zu beenden. Das gilt auch

für die Job- und Liquiditätshilfen. Für die lebensfähigen Unternehmen etwa macht

statt Liquiditätshilfen wie Krediten eigenkapitalähnliche Unterstützung Sinn.

Aber der Staat kann auch nicht jede Firma retten.

In jedem Fall dürfen und können die Krisenmaßnahmen nicht zur Dauereinrichtung

werden. Mag so mancher Ökonom auch anderes behaupten, eine stetig steigende oder

dauerhaft hohe Staatsverschuldung ist alles andere als ungefährlich - weil sie

die finanzielle Vulnerabilität erhöht. Und auch eine auf Dauer ultraexpansive

Geldpolitik birgt enorme Risiken - nicht zuletzt für die Finanzstabilität.

Es geht jetzt nicht um einen überstürzten Ausstieg. Aber es geht darum, jetzt

eine Strategie für den Exit zu entwickeln. Sonst droht perspektivisch ein

solcher rascher und unerwarteter Kurswechsel, den gerade alle so sehr fürchten -

samt gravierendem ökonomischem Schaden.

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