Börsen-Zeitung: Zitterpartie, Kommentar zur Nord/LB von Bernd Wittkowski Frankfurt (ots) - Die Prüfung der Auffanglösung für die Nord/LB durch die EU-Kommission steht noch am Anfang. Erst vor wenigen Tagen lief die Frist für den Gremienvorbehalt ab, in der die zuständigen Organe der an dem Rettungsversuch Beteiligten die Grundlagenvereinbarung von Anfang April theoretisch hätten zu Fall bringen können. Das ist nicht geschehen. Dennoch wird das mühsam gefundene Konzept fast täglich etwas mehr zerpflückt.

Manche tun so, als seien sie nicht dabei gewesen oder - soweit sie wirklich nicht am Verhandlungstisch saßen - als könne man das komplexe Paket einfach noch mal aufschnüren. Dass etwa die Braunschweigische Landessparkasse schon mangels eigener Banklizenz, zu schweigen vom fehlenden Eigenkapital, allein nicht lebensfähig wäre, die Herauslösung aus der Nord/LB daher auf absehbare Zeit unmöglich ist, haben doch alle gewusst. Der neu angezettelte Streit darüber ist mithin überflüssig wie ein Kropf und bringt unnötig Unruhe in das Brüsseler Verfahren.

Derweil scheint auch den Planungen des Vorstands keine allzu lange Lebensdauer beschieden zu sein. Auf der Bilanzpressekonferenz wurde für die "neue" Nord/LB eine Belegschaftsstärke von 3200 Stellen genannt. Keine sechs Wochen später bestätigt die Bank für das Jahr 2024 einen Zielkorridor von 2800 bis 3000 Vollzeitstellen. Und nun machen zu allem Überfluss Gerüchte die Runde, der vereinbarte Kapitalplan sei allzu sehr auf Kante genäht.

Dass die Rettung der Bank noch zur Zitterpartie wird, kann indes niemanden wirklich überraschen. Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hatte im April im Interview der Börsen-Zeitung vorsichtig von einem "ordentlichen Zwischenergebnis" gesprochen und gesagt, die EU-Kommission werde eine Menge Fragen stellen und manches Detail plausibilisiert haben wollen. Klar: Wenn man sich als neutraler Beobachter die sportlichen Zielvorgaben wie die Eigenkapitalrendite oberhalb von 8 Prozent und die Cost-Income-Ratio um 50 Prozent vor Augen hält, fällt einem auch eine Reihe von Fragen ein. Denn das dazu passende Geschäftsmodell will erst gefunden werden.

Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider hat im Februar gesagt, er halte es für denkbar, dass die Nord/LB nach Abverkäufen interessanter Assets langfristig "aus dem Wettbewerb ausscheidet". Dieses Abwicklungsszenario ist nicht vom Tisch. Und je mehr alle Stakeholder - neben Trägern, Gläubigern, Kunden und Beschäftigten etwa Ratingagenturen, Aufseher, und EU-Kommission - durch ständig neue Ansagen verwirrt werden, desto näher rückt es.

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