Bremser gegen Beschleuniger, Kommentar zur IAA von Sebastian Schmid

München (ots) - Die Internationale Automobilausstellung, die erstmals in München

gastiert, richtet stärker denn je den Blick in die mittelfristige Zukunft. Zwar

werden auch zahlreiche aktuelle Modelle wie der Mercedes EQE vorgestellt. Der

Blick geht aber bereits stärker in Richtung Mitte des Jahrzehnts und darüber

hinaus. Viele Unternehmen präsentieren ihren Entwicklungsstand beim

vollautonomen Fahren oder zeigen Studien von E-Autos der nächsten Generation

bzw. Technologien, die in diesen Autos zum Einsatz kommen sollen.

Die Hersteller sind sich mittlerweile weitgehend einig, dass an der

Elektromobilität kein Weg vorbeigeht. Marktbeobachter er­warten teils sogar,

dass der Abschied vom Verbrenner noch viel schneller kommen könnte als von der

Politik avisiert - falls die Infrastruktur schnell genug ausgebaut werden kann.

Allerdings gibt es durchaus auch Bremser, die nicht nur die Kosten der

Transformation fürchten, sondern vor allem deren Geschwindigkeit.

So erwartet der Getriebespezialist ZF eine Zukunft für den Plugin-Hybrid weit

über 2030 hinaus, wie der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider am Montag

erklärte. Andere große deutsche Zulieferer sehen das ähnlich. Allerdings müssen

sie sich ein wenig fühlen wie einsame Rufer in der Wüste. Komplex, schwer und

teuer - das Kombisystem aus Verbrenner und Elektromotor erscheint vielen

Ex­perten schon heute aus der Zeit gefallen. Daimler plant nicht mehr mit der

Weiterentwicklung der Plugin-Hybriden. Neben den Regulierern sind auch die

Kunden ein Problem für den Zwitter-Antrieb. Sie tun sich schwer, die Fahrzeuge

mit einem möglichst hohen Stromanteil zu bewegen.

Einen chancenlosen Kampf führt derweil offenbar Italiens Sportwagenindustrie.

Laut Bloomberg soll die italienische Regierung in Brüssel vorstellig geworden

sein, um eine Ausnahme vom Verbrenner-Aus für die PS-Könige von Ferrari und Co.

zu erbitten. Vertreter der deutschen Wettbewerber bezeichneten den Vorschlag als

absolut "grotesk". Tatsächlich könnte eine solche Ausnahmeregelung der Todesstoß

für eine beschleunigte Elektrifizierung der Autoindustrie sein. Denn warum

sollten sich die Hersteller deutlich günstigerer Fahrzeuge dann noch an die

strikten Vorgaben gebunden sehen und nicht dagegen klagen? Der Kampf um das

Tempo der Transformation lässt sich nicht nur bei den Protestaktionen in der

Münchener Innenstadt beobachten. Auch auf der Messe selbst duellieren sich

Bremser und Beschleuniger der Elektrifizierung, wenn auch weniger plakativ.

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