Ein letzter Fauxpas, Kommentar zur Commerzbank von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) - Zum Abschied ein letzter Fauxpas: Nachdem ihre im September

fürs Jahr 2023 ausgerufene Strategie schon nach wenigen Monaten krachend

gescheitert ist, lässt die Führung der Commerzbank zum Abschied einen

missglückten Abgang folgen. Dass sich der Aufsichtsrat in seiner

außerordentlichen ganztägigen Sitzung am Mittwoch lieber mit Fragen der

Strategie als mit der Nachfolge von Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann

beziehungsweise Vorstandschef Martin Zielke befasst hat, passt in das chaotische

Bild, das die Bank gerade abgibt.

Wenn im Konzern seit vergangenem Freitag überhaupt etwas Dringlichkeit haben

muss, dann ist dies die Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzes mit einer für

diesen Posten geeigneten Person: Diese orchestriert anschließend die Berufung

eines neuen Vorstandschefs, der daraufhin die künftige Strategie entwickelt.

Die Aufsichtsräte der gelben Bank aber zäumen lieber das Pferd von hinten auf

und befassen sich mit den strategischen Vorstellungen eines gen Ausgang

strebenden Vorstandschefs, der diese Pläne im Leben weder umsetzen noch

verantworten wird. Dasselbe darf man von Zielkes Nachfolger erwarten, sofern die

Bank diesen überhaupt rasch finden wird: Welcher qualifizierte Manager will denn

eine Rosskur umsetzen, die ein gescheiterter Vorgänger ihm hinterlassen hat?

Wie sich in diesen Tagen deutlich zeigt, lief im Aufsichtsrat und dessen

Nominierungsausschuss in der Vergangenheit nicht allzu viel zusammen, was die

langfristige Nachfolgeplanung angeht. Beiden Gremien sitzt Schmittmann vor, der

die Durchhalteparolen von Zielke vielleicht irgendwann einfach geglaubt hat:

"Bei der Strategie ,Commerzbank 5.0' haben wir bereits greifbare Fortschritte

erzielt und kommen schneller als geplant voran", hatte der Manager Mitte Februar

erklärt. Und noch auf der Hauptversammlung der Commerzbank Mitte Mai schickte er

der Ankündigung, die Bank werde ihre Strategie "weiterentwickeln", mit Blick auf

die Covid-19-Pandemie voraus: "Bisher hat uns die Krise darin bestärkt, dass wir

die richtige Strategie verfolgen."

Erst vor fünf Tagen teilte Zielke dann plötzlich mit: "Die Bank braucht eine

tiefgreifende Transformation." Plötzlich scheint dem Vorstand gut jede zweite

Filiale und rund jede vierte Stelle im Konzern zu viel zu sein.

Schmittmann und Zielke hinterlassen einen der größten Scherbenhaufen, der im

deutsche Finanzsektor auf Sicht produziert werden wird.

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